Warm/Feurig/B72 – I, Marcus Smaller Releaseparty

Gefühlte 30 Jahre steht er schon auf der Bühne. Knapp über 15 Jahre sind es dann tatsächlich, welche Marcus Smaller bereits sein Unwesen in der österreichischen Musikszene treibt.

So kam er vor Ewigkeiten zu einem Interview bei Ö3, dem wohl größten und bekanntesten Musiksender Österreichs, welcher scheinbar hauptsächlich österreichische Musiker in das Programm aufnimmt, die sich bereits im Ausland einen Namen erspielt haben. Leider wurde es nicht Marcus Smaller, der zwar ebenfalls Air Play bekommen hätte, aber besagtes Interview abgebrochen hat, als man seine Band als „die neuen Österreicher“ bezeichnete. „Die neuen Österreicher“ war ein Ausdruck für Interpretinnen und Interpreten, welche aus Österreich kamen und eine erfolgreiche Schiene einschlugen. Was als „erfolgreich“ bezeichnet wird, ist an dieser Stelle wohl etwas fraglich. So sind zwar auch internationale Bands wie Amon Amarth oder Disturbed auf Platz 1, bekommen allerdings so gut wie kein Air Play. Dass dies nicht nur für Marcus Smaller, sondern auch für seine Fans ärgerlich wirkte, war wohl kein Wunder, da er zu dieser Zeit bereits mehr als ein halbes Jahrzehnt durch Österreich, Deutschland, der Schweiz und weitere Länder tourte.

Am vergangenen Freitag war es schließlich soweit. Marcus Smaller präsentierte sein zweites Soloalbum „I, Marcus Smaller“ bei welchem er nicht mehr ganz so alleine war, wie es der Titel vermuten lässt. Unterstützt von 3 weiteren Musikern an den Drums, Bass und Gitarre, rockte er gute 90 Minuten das Wiener B72 mit Batman, Hipster und Veganem.

Als Support diente ihm der in Wien ansässige schottische Singer/Songwriter Stuart Neville, welcher mit einer kraftvollen sympathischen Stimme beeindrucken konnte. Allerdings füllte sich das B72 erst während seines, doch relativ kurzen, Auftrittes und man bemerkte, dass viele Gäste noch ihre Getränke an der Bar ordern wollten. Dadurch bekam der Musiker leider nur wenig Aufmerksamkeit. Es jubelte jedoch jeder Gast, der bereits sein Getränk bekommen hatte, wenn er mit einem Lied fertig war. So spielte sich Stuart Neville eine knappe halbe Stunde durch das wachsende Publikum und wird jedem, der ihm Gehör schenkte, doch ein wenig in Erinnerung bleiben.

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Um kurz nach 9 war es dann soweit und der Umbau zu Marcus Smaller’s Album-Release-Show startete.

Gespannt versammelte sich das restlos ausverkaufte B72 vor der Bühne in einem schier endlosen Gedränge. Bemerkenswert bei diesem Lokal ist die leicht abfallende Schräge vom Eingang zur Bühne, welche später kommende Besucher die Möglichkeit bietet, ebenfalls von weiter Hinten noch einen Blick auf die Bühne zu erhaschen, auch wenn sich der Klang im hinteren Bereich aufgrund der Bauweise ein wenig abdämpfte.

Da die Backline (Drumset, Gitarren- und Bassverstärker) sich bereits auf der Bühne befanden, konnte der Umbau schnell abgeschlossen werden und das Konzert startete mit dem Song „I, Marcus Smaller“, der ebenfalls das Intro des neuen Albums und die erste Singleauskopplung darstellt. Bereits bei diesem Lied wurde einem die gute Stimmung aufgedrückt und man begann in einem Chor das Intro mitzusingen. Marcus Smaller wirkte offensichtlich sehr erfreut darüber, dass so viele Leute gekommen waren und spiegelte dies von Anfang an in seiner Performance wieder.

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Mit den ersten 3 Liedern erklärte er die 3 wichtigsten Regeln eines Marcus Smaller Konzertes: Mitsingen, Klatschen und Tanzen! So ging es nach dem Opener mit dem zweiten Titel des Albums weiter, welches die Leute durch seine kontrollierte auf Viertelnoten schlagenden Bassdrum zum rhythmischen Mitklatschen brachte. Eine gute Idee, da eine Konzertbesucherin oder ein Konzertbesucher nicht zwangsweise immer ein Rhythmusgefühl besitzt und ab einen gewissen Pegel des Daseins das Klatschen schwierig werden kann.

Wer es bei der dritten Nummer noch nicht bemerkt hatte, für den erklärte Marcus Smaller, dass sie an diesem Abend, das einzige Mal, die Lieder des neuen Albums „I, Marcus Smaller“ so spielen werden, wie sie sich auf dem Album befinden. Mit dieser Aussage und der Aufforderung, nun die dritte Regel eines Marcus Smaller Konzertes einzuhalten, starteten sie mit Open Road, welcher sowohl in der Band als auch bei den Zuhörern eine verträumte Aufbruchsstimmung auslöste.

Mit guter Musik, Witz und Humor verstrich der Abend rasend schnell. Wurde eben noch festgestellt, dass sich eigentlich keine Hipster auf dem Konzert befinden, bekam man auch schon die Geschichte zu hören, warum sich der Ansa von die Vammumtn nicht auf dem Konzert befindet, obwohl es seit mehreren Monaten geplant war, dass er seine Stimme zu dem Song Echo nicht nur auf dem Album, sondern auch live zum Besten geben würde. Aus diesem Grund musste Marcus Smaller selbst für den Rap-Part bei seinem Song Echo aushelfen und bestritt diese Prüfung auch mit Bravour.

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Was auf der Aufnahme noch mit einer Couch eingespielt worden war, wurde bei dem Lied Sick to the Core von einem Schlagzeug ersetzt. Dies tat dem Song aber nichts weiter ab, zumal die Bühne im Allgemeinen nicht die größte ist, und eine Couch wohl viel zu viel Platz eingenommen hätte.

Da es langsam aber sicher dem Ende zukam, wurde bereits die vorletzte Nummer Lullaby angespielt. Diese wurde durch ein Intro des König der Löwen Songs Can you feel the love tonight?, welcher von Elton John geschrieben wurde, ergänzt. Laut Sänger Marcus Smaller, würde es wohl „kein passenderes Intro“ für diesen Song geben. Vermutlich zumal Elton John eines seiner größten Vorbilder ist, wie er uns im Interview mit Weltklang verraten hatte.

Den Ende machte, wie auch auf der CD, die wohl punkigste Nummer des Sets und des Albums Yeah, You’ll Get Far. Da sich der ganze Abend bereits spaßig zog, kündigte Marcus Smaller für diesen Song Mike Hererra von MxPx an und ließ dabei jeden erwartungsvoll neben die Bühne blicken bis eine, durch Verwirrung geprägte, Ruhe im Saal einkehrte und Marcus Smaller gestand, dass ihm das Publikum auf dem Leim gegangen sei. Gleich darauf legte die Band aber bereits mit dem Lied los und so konnte man die Leute bei einem vollgestopften Pogo erleben, denn viel Fläche bot sich dafür nicht an, da im ausverkauften B72 ohnehin schon wenig Platz zum Stehen zu finden war.

Wem bisher noch nicht heiß wurde, der hatte spätestens bei dieser Nummer einen Schweißausbruch und freute sich auf ein kaltes Getränk an der Bar. Jedoch mussten sich die durstigen Zuseher, aber auch die Band noch ein wenig gedulden, denn wie es zu erwarten war, wollte das Publikum noch ein wenig mehr.

Also kam die Band noch einmal auf die Bühne und kündigte an, dass sie nun, nachdem sie alles an neuen Lieder gespielt hatten, noch ein, zwei oder sogar drei alte Songs spielen werden. Außerdem wurde ein ausverkauftes B72 verkündet und dass sich, was laut Marcus Smaller sein Gemächt wachsen ließ, das Album „I, Marcus Smaller“ bereits auf Platz 2 der allgemeinen Charts befinden würde, und dies sogar noch am Releasetag.

Mit dieser Motivation und Freude spielte sich die Band um Marcus Smaller in 3 weiteren Nummern weiter in die Herzen der Besucher und beendeten das Konzert mit der Mitgrölhymne Finally Home.

 

Was in Erinnerung bleibt, sind wunderbare Lieder, ein atemberaubendes B72, einzigartige Jokes und Geschichten und ein publikumsnaher Marcus Smaller, welcher noch spät in die Nacht mit seinen Fans und Freunden feierte.

 

Wir wünschen uns mehr dieser Konzerte. Eine Tour startet im Herbst. Bis dahin ist er noch am 24. Juni im Wiener U4, am 9. Juli in Weiz und am 22.-23. August am And There Come The Wolves in Wiesen zu erleben.

 

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Interview mit Weltklang

 

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