Nicht ohne Worte – Melody Current Album Review

Need No Words – lautet der Titel des neu erschienen Albums von Melody Current. Nicht ganz ohne Worte sollte man das Album lassen, da es, wie die Band live auch, für ein paar Überraschungen sorgt und für ein angenehmes listening sorgt.

Stille Wanderin

Mit angenehmen sanften Tönen die in harmonischen Melodien enden beginnt die CD von Melody Current. Das Schlagzeug enthält Elemente des Jazz welches auch den stark groovigen Rhythmus vorgibt. Nicht ganz so sanft und im Gegensatz zum Titel wird es dann Chorus und dem Hauptteil des Liedes. Trotz der wiederholenden Strophe der stillen Wanderin wird es dann doch sehr laut. Popig bis zum Ende und doch mit Jazzelementen und einem Gitarrensolo versehen, zieht sich dieses erste Lied über knapp 6 Minuten, welche der Zuhörerin und dem Zuhörer allerding nicht wirklich auffallen, da diese Nummer zur richtigen Zeit die richtige Abwechslung mit der richtigen Stimmung bringt.

 

Otherwise

Weiter geht es nach einer Deutschsprachigen Nummer mir einem englischen Text. Der erste Gedanke der hier aufkommen könnte ist die des Hinterfragens, ob das noch irgendwie zusammenpasst. Nicht immer funktioniert eine Abwechslung zwischen mehreren Sprachen auf einem Album so gut wie es sich die Band selbst wünscht. Melody Current schafften hier aber einen ausgezeichneten Spagat und können mit Otherwise sehr gut an das vorangegangene Lied anschließen. Bereits hier wird klar, dass das Album noch für Überraschungen sorgen wird.

>>Stehende Vergangenheit lass‘ dir bloß nicht zu viel Zeit – Ich bin nicht kompromissbereit<<

Luftschloss

Von Deutsch zu Englisch zu Deutsch. Bei einem – gefühlt – etwas schnellerem Lied erklingt die wunderbare sanfte und angenehme Stimme von Sängerin Bianca Ortner im Lied Luftschloss. Ergänzt wird die Komposition von Backgroundgesängen die das Lied an einer Instrumentalstelle ergänzen, in welcher andere Bands schon längst ein Solo eingebaut hätten. Mit jedem weiteren Lied wird klar, wie sehr sich Melody Current mit dem Arrangement der einzelnen Lieder auseinandersetzen und somit jedes einzelne zu einem vollem Erlebnis für sich machen.

 

Sei guat mit dir söbst

Zwar rechnet man mit einer Überraschung, jedoch nicht damit, dass sich auf dem Album Need No Words auch noch ein Lied im Dialekt befindet. Selbst hier kann Texterin und Sängerin Bianca Ortner mit ihrer Stimme überzeugen. Es wirkt beinahe so, als würden sich ihr keine Grenzen stellen, in welcher Sprache ihre Stimme voll und ganz zur Geltung kommen kann. Mit einem verträumten Zwischenteil und starken Backing Vocals endet das Lied in einem Meer aus Harmonie. Einer meiner persönlichen Favoriten, da das Lied eine sehr angenehme und gemütliche Stimmung erzeugt.

I can’t help it too

Sehr viel ruhiger wird es gegen Mitte des Albums mit I can’t help it too. Man merkt schnell, wie sich das Lied schwerer anfühlt als die bisherigen Lieder.  Es wirkt düsterer und belastender, dennoch nicht erdrückend. Ein Popsong mit Grungeeinflüssen und einem dramatischen Auf und Ab.

 

Afoch moi schrein

Eröffnet durch ein Flügelhorn bietet sich die Abwechslung erneut von Beginn an. Interessant ist hier die im Hintergrund nur sanft zu hörende Gitarre (Christoph Roithner), welche aber eine sehr interessante Melodien und Akkordzerlegungen bietet. Diese dezente Kombination zwischen Flügelhorn und  Gitarre bieten ein starkes Fundament für einen weiteren starken Song.

 

Need No Words

Etwas unheimlich beginnt der Titeltrack des Albums mit Stimmen, welche sich zwischen den Lautsprechern abwechseln. Zur vollen Geltung kommt dieser Effekt mit Kopfhörern. Dadurch fühlt es sich an, als würde jemand etwas  ins Ohr flüstern. Mit Need No Words kommt auch der trägste Song ins Rennen. Das bedeutet nicht zwangsweise etwas negatives, es fehlt ihm lediglich die Energie, die die anderen Lieder vermitteln können. Dennoch ermöglicht er für ein angenehmes Zuhören nebenbei.

 

Open minded

Interessanter wird es wieder mit dem Lied Open Minded, das zu Beginn mit einem leicht galaktischen Gitarrensound, welcher durch die Zusammenarbeit von Delay (Echo) und Hall ein faszinierendes Intro bietet. Im Lied selbst wird es ein wenig tropisch. Zumindest lassen die Drums (Christoph Schacherl) in Kombination mit dem Bass (David Enzenhofer) ein solches Feeling aus Sommer-Sonne-Strand aufkommen. Perfekt um sich in den kalten Wintertagen in einen gedanklichen Sommer zu flüchten oder um im Sommer mit einem kalten Getränk in der Hängematte zu chillen und dabei dieses Lied im Hintergrund laufen zu lassen.

One of those days

Mit einem härteren Text geht es gegen Ende des Albums zu. Auch rasanter als üblich und mit düsteren Melodien. Hier zeigt sich die Vielfalt der Texte. Es geht viele unterschiedliche Themen, viele verschiedene Ereignisse und um Prozesse des Wachsens. Auch wenn sich das Album Need No Words von Melody Current durchgehend popig hält, bietet es eine große und breite Spannung an Abwechslung in den Liedern.

 

Perspective

Ein weiter persönlicher Favorit ergibt sich ab dem Intro von Perspective. Ein interessantes und abwechselndes Zusammenspiel zwischen den Instrumenten zeigt die Stärke des Liedes auf. Mit gefühlvollen Lyrics und ernstem Gesang kann sich das Lied aufbauen und gewinnt mit steigendem Tempo immer mehr an dramatischer Stimmung. Zudem ist es mit etwas mehr als 3 Minuten auch das kürzeste Lied des ganzen Albums, was aber auch optimal für dieses Arrangement passt.

>>I don’t wanna spread the words in my head<<

Herbstzeit

Für dieses Lied wird Sängerin Bianca Ortner von dem Gastsänger Peter Chalupar unterstützt, welchen manchen Reggea und Singer-/Songwriter Fan unter dem Namen Beda mit Palme ein Begriff sein dürfte. Ein letztes Mal wird es auf dem Album auf seine eigene Art und Weise nochmals richtig laut. War man mit Open Minded noch im Sommer schwelgend, kommt mit diesem Song noch eine Hommage an, wie der Titel verrät, die Herbstzeit. Melody Current und Beda mit Palme schaffen es den Wunsch nach einem längeren Herbst zu wecken. Es ist noch nicht ganz kalt. Die Blätter fallen. Die bunten Farben.

 

Michael

Nachdenklich. Verträumt. Weggerissen. Das sind wohl die letzten Worte die den Abschluss des Albums beschreiben können. Vielmehr will man dazu nicht sagen, sie beschreiben das Lied schon recht gut. Ein optimaler Ausklang für ein durch und durch wunderbares und gelungenes Gesamtwerk.

 

 

Fazit

Need No Words von Melody Current kann sich durchaus sehen und hören lassen. Die Band ist sowohl live als auch auf der CD eine musikalische Delikatesse. Die Stimme von Sängerin Bianca Ortner zwischen verruchter und harmonischer Sinnlichkeit. Die Rhythmusgruppe bietet eine Abwechslung und einen Groove in jedem einzelnen Song.

Need No Words bewegt sich mit ihren Popsongs auf Spuren des Jazz und scheuen sich nicht davor, in der einen oder anderen Nummer eine etwas düsterere Stimmung einzuschlagen. Es war ein wahres Erlebnis dieses Album mit 12 Liedern und einer guten Stunde Laufzeit anzuhören. Mit Sicherheit wird es nicht nur bei mir sondern auch bei vielen anderen, die sich das Album zulegen einen besonderen Platz haben und länger durch die Lautsprecher klingen.

Melody Current, ich danke für dieses wunderbare Erlebnis!

 

Melody Current
Homepage
Facebook
YouTube

Schreibe einen Kommentar