Make Punk Rock Great Again – Deadends Album Review

Make Punk Rock great again!!!
Oft genug fragt man sich, wo sie sind, die österreichischen Punk Rock Bands, welche nicht zwangsweise wie eine schlechte „individuelle“  Blink 182 oder Green Day Coverband klingen. Zum Glück wurde mir das neue Album der Deadends in die Hände gespielt. The Essence Of Every Second heißt dieses im Outlay düstere Werk (Design by Finsterkram), welches mir das Gefühl gibt, das Punk Rock wieder groß wird…

Implications Made By Choices

Damit eröffnet sich auch schon das Album mit Ach und Krach! Es wird klar gemacht, dass Action und Tempo das Album regieren werden. Rauer und teilweise raunzender Gesang optimieren die verzerrten Gitarren und die rasenden Drums. Text über die Belanglosigkeit der Taten in der Vergangenheit, schöne Erinnerungen und Personen die den Moment leben sollen, denn irgendwie wird man ohnehin älter. Die Deadends eröffnen ihr Album The Essence Of Every Second mit einem explosiven und gelungenem Song.

 

Hold Fast

Weiter geht es mit einer dynamischen Bootsfahrt, nicht nur textlich sondern auch musikalisch. Was anfangs noch wie eine schöne harmonische Fahrt in den Wellen des Ozeans klingt, wird bald auf die Überraschung der stürmischen See treffen, welche die Wellen aufbrausen und das Boot schwanken lässt. Eine überzeugende auditive Darstellung verschiedenster Emotionen, die von brechenden Mästen bis hin zum chorreichen Schunkeln und Mitsingen reichen.

 

Chronicles Of Unlived Lives

Die kürzeste Nummer auf dem ganzen Album. Auch hier zeichnet sich ein gewisser Stil der Deadends ab. Es spielt keine Rolle wie lange ein Lied ist, es gibt keine wirkliche Wiederholung des Chorus. Kein Musikstück würde annährend den Gedanken zulassen, dass es Einflüsse von kommerzieller Popmusik gibt, welche zu einem großen Teil immer aus demselben Aufbau den immer wiederkehrenden Schemen besteht.

>>Time may pass ayawy, the truth remains unchanged and even if we’d never thought somehow we got older anyway<<

Promising Start, Miserable Ending

Obwohl mit zwei Gitarristen (Tom und Vic), einen Drummer (Wimair) und einem Bassisten (Brandy) die Besetzung recht standardisiert ausfällt, zeigt sich in jedem Lied die Feinheit und die Möglichkeit, wie sehr sich mit diesen Instrumenten arbeiten lässt. Die Deadends variieren von Song zu Song und obwohl in jedem Lied verzerrte Gitarren vorkommen, gibt es keine Wiederholung der Lieder. Ihren Stil bleiben sie treu ohne irgendwie eine Langweile aufkommen zu lassen. Promising Start, Miserable Ending wirkt wohl wie eines der ruhigeren Lieder auf dem ganze Album und bietet spätestens ab  dem dritten Mal anhören einen großen Mitgrölfaktor.

 

Trails

Eine größere Achterbahnfahrt bietet dagegen Trails. Diese tritt dem Zuhörer und der Zuhörerin von Anfang an ordentlich in den Hintern und gibt den Takt für einen Wohnzimmerpogo an. Textlich ein Lied das viel Raum zur Interpretation lässt. Die Texte sind alle im Inlay des Albums enthalten und nachzulesen, was bei einem Album mit textlichen Tiefgang wie The Essence Of Every Second auch eine hervorragende Ergänzung ist. Das Lied selbst bekommt durch Trommelwirbel und aufsteigenden Gitarrenriffs an verschiedensten Stellen immer mehr an Dynamik. Ein Up and Down der Harmonien gleicht einer rasanten Fahrt in der Achterbahn.

 

In Theory

Was bei In Theory sehr heraussticht sind die Melodien der Gitarren. Ob nun durch die Soli, welche sich im Lied immer wieder ergeben oder auch durch die Hintergrundharmonien, die sich stark von den anderen Liedern abzeichnen können. Der Gesang selbst klingt hierbei noch etwas mehr gegrunzt, grantiger und emotionaler als es in den vorrangegangen Lieder der Fall war. Dies passt auch hervorragend zu dem Gefühl, welches in dem Lied vermittelt wird.

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Desing by Finsterkram

Leave The Pit

Einen herausragenden Übergang gibt es zwischen In Theory und Leave The Pit. Leave The Pit beginnt mit einer ruhigen Melodie, welche auch noch das Ende von In Theory sein könnte. Würde man die einzelnen Tracks nicht beachten, könnten sie gemeinsam auch eine hervorragende 8 Minuten Nummer abgeben, welche regelmäßig sehr viel Abwechslung bietet. So wird Leave The Pit gegen Mitte des Liedes plötzlich so ruhig, dass man das Bedürfnis verspürt ein Feuerzeug rauszuholen und ein Lichtermeer zu entfachen. Für alle die nicht gerade 100 Personen zu Besuch haben, gibt es jetzt zur Weihnachtszeit auch Wunderkerzen. Diese lassen sich prima aufhängen und können angezündet ein Lichtermeer simulieren. VORSICHT: BRANDGEFAHR!

 

The Essence Of Every Second

Der gelungene und sehr kritische Titeltrack des Albums. The Essence Of Every Second erzählt von der Blindheit der Menschheit, obwohl sie Augen zum Sehen haben, der Taubheit, obwohl sie Ohren haben, mit denen sie hören können und von schlagenden Herzen, die uns trotzdem abgestumpft und Gefühllos werden lassen. Die sich ergebende Dramaturgie  und die Kritik, welche daraus folgt, zeigen sehr schnell auf, dass die Lieder der Deadends durchgehend hinterfragend wirken und zu hinterfragen sind. Was geschrieben steht und was angesprochen wird muss nicht immer dieselbe Bedeutung haben.

>>We all have eyes but are still so blind, we all have ears but are still so deaf<<

Directions

Bevor es zum endgültigen Ende des Albums geht wird es noch einmal ein wenig episch. Mit ruhigem Intro starten die Deadends ihre vorletzte Nummer und es wird zum ersten Mal auf dem ganzen Album richtig romantisch. Ein Lovesong wie er  punkiger nicht sein kann. Die klassische Romanze kombiniert mit Punk Rock. Mehr kann man dazu gar nicht mehr sagen, denn man muss sie selbst gehört haben. Am Ende gibt noch eine angenehme Abwechslung und eine es wird eine kleine Überraschung geboten.

 

This Situation Makes Me Hate Sunsets

Punk Rock at its finest. Das ist wohl eine gute Beschreibung für das letzte Lied auf The Essence Of Every Second von den Deadends. Ein letztes Mal lassen sie es auf dem Album sowohl krachen, als auch episch und ruhig angehen. Rasanter Pogo-Beat kombiniert mit Arm in Arm Mitgrölorgien. Es wirkt wie eine musikalische Zusammenfassung des ganzen Albums und kann in vollster Länge überzeugen.

 

Fazit

Die Deadends haben mit The Essence Of Every Second ein hervorragendes Punk Rock Album an den Start gebracht, welches vor allem bei Fans der rasanteren Schiene im Regal stehen sollte. Sowohl NOFX als auch Anti-Flag Liebhaber werden hier abseits des Pop Punks vollends auf ihren Geschmack kommen., aber auch Quereinsteiger, die auf der Suche nach energiegeladener Musik sind, werden hier ihr Ziel finden.

Am 23.11.2016 steigt die Album Release Party mit Antimanifest und Igel vs. Shark im Grazer Musichouse.

 

Für die Deadends mit ihrem The Essence Of Every Second fällt mir nur ein Abschlusssatz ein:

„Make Punk Rock Great Again!“

 

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The Essence Of Every Second

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