Local Heroes and the Immigrants

Ein kalter Mittwochabend. Der erste Mittwoch nach Silvester. Man könnte meinen, dass die Motivation der Leute nach Silvester eher nachlässt. Vom Gegenteil wurde man allerdings bei einem Auftritt von den drei Rock Bands The Immigrants, Contact High und Assaia  im Grazer Club Wakuum überzeugt. Hier haben sich eine ordentliche, aber überschaubare Menge an Leuten eingefunden um die ersten Konzerte des Jahres zu zelebrieren und das Jahr 2016 endgültig hinter sich zu lassen.

The Immigrants

Mit einer poppig rockigen Indiemischung legten die aus Ungarn angereisten Immigrants im Konzertraum des Club Wakuum los. Ein wenig erinnerte das dreier Gespann bestehend aus Bass, Gitarre und Drums an bekannte skandinavische Indiebands und bringen auf diese Art und Weise einen bereits vertrauten Sound aus ihren Verstärkern in die Ohren der Zuhörerinnen und Zuhörer.

Es fehlte eigentlich an nichts. Harmonisch ruhige, rasend poppige und spacig rockige Sounds und Lieder fanden eine sehr gute Abwechslung. Einzig fehlte es der Band an Merch, was sie auf humorvolle Art und Weise dem Publikum näher brachte. Man könnte ihren Merch kaufen, aber sie haben ihn in Ungarn vergessen – Shit happens.

Das änderte jedoch nicht viel an der Energie, mit welcher die dreiköpfige Band ihren Auftritt performten. Musikalisch durchdacht und geschliffen konnte die, für das Publikum großteils unbekannte Band, die Zuhörerinnen und Zuhörer überzeugen und zum Tanzen bewegen.

 

Contact High

Lokale Helden Part 1.

Mit Contact High betrat eine vielen Leuten vertraute Band die Bühne. Wenn sie jemand in den letzten Monaten weder bei ihrem Album-Release noch bei dem jährlich stattfindenden Styrian Sounds im P.P.C. gesehen hat, hatte an diesem Abend erneut die Chance auf Contact High. Eingefunden haben sich einige der vielen treuen Fans, die die Band bereits in den letzten Monaten verfolgt hatten – enttäuscht sollten sie auf alle Fälle nicht werden.

Contact High konnten wieder mit ihrer unglaublichen Feinheit brillieren. Man merkte, dass sie durch die monatlichen Shows eine gewisse Routine entwickeln und mit ihrem Set, welches zum Großteil auf ihrem Releasealbum  Lessons from Defeat basiert, zu einem unglaublichen Team zusammengewachsen sind. Sie konnten die Besucherinnen und Besucher, welche sich an diesem kalten Mittwochabend zusammengefunden haben, ordentlich einheizen und für die zweiten Lokalhelden vorbereiten.

Anders als bei ihrem Auftritt bei dem Styrian Sounds, blieb dieses Mal auch ihre Gitarre einigermaßen ganz. Bühnendekoration hält sich schlicht, überzeugt dennoch und erinnert in Kombination mit ihrem Album ein wenig an ein unheimlich romantisches Horroszenario. Während auf dem Albumcover eine Person mit Hasenmaske zu sehen ist, ist bei den Mikros auf ihrer Bühne jede Menge Grünzeug festgebunden. (Eine heimliche Affinität zum Hasen?)

Das Publikum wegrocken konnten sie auch mit ihrer Version von Cocaine in my Brain, welche aus ihrer sonstigen Setlist auch ordentlich hervorgestochen ist, der sie aber dennoch ihren persönlichen Stil und neues Leben einhauchen konnten.

Wer sich von Contact High überzeugen will, kann übrigens ihre Seite checken, da sie bald wieder einen Auftritt haben werden.

 

Assaia

Lokale Helden Part 2.

Einzig noch mehr Konzerte als Contact High spielten in den letzten Monaten Assaia. Sie zählen wohl momentan zu eine der beliebtesten Bands, die man sich für seine Veranstaltung buchen will. Das ist auch kein Wunder. Die Band beweist live immer wieder ein unglaubliches Feingefühl für Noten, Akkorde und Beats. Auffällig war an diesem Abend jedoch die Änderung, der sich die Band unterzogen hat. Alte Nummern waren nicht nur mehr alte Nummern von früher, sondern wurden auf den aktuellsten Stand gebracht und ordentlich aufpoliert. Klangen sie früher noch brav und sauber, klingen sie jetzt vielmehr wild und verrucht. Eine Überraschung, wenn man diese neuen Interpretationen ihrer ersten Songs noch nicht gewöhnt war. Auf jeden Fall ist es aber eine positive Überraschung, da es eine Entwicklung zeigt, die sich sehen lassen kann. Man sieht, dass die Band nicht auf etwas beharrt, sondern sich immer weiterentwickeln will.

Neben den auffallend guten, neu interpretierten alten Liedern gab es auch ein paar Neuigkeiten zu hören. Da Assaia momentan an einem neuen Tonträger (Longplayer?) arbeiten, gab es auch ein paar neue Lieder zu hören, die sich weder auf ihrer EP Oak (2014) noch Hickory (2016) befinden. Auch neu war diese bestimmende extrovertierte Art des Sängers Sandro Jaklitsch. Ansagen waren viel deutlicher als früher, was auch die positive Entwicklung der Band wiederspiegeln konnte.

Wir haben Assaia bereits vor gut zwei Jahren für uns entdeckt und können nur bezeugen, dass sich die Band von der kleinen Szenenband zu einem sehr guten Export entwickelt hat. Landesgrenzen existieren für Assaia bereits lange nicht mehr. Mit Konzerten und Tourneen, welche sie unter anderem nach Deutschland, Ungarn und Slowenien führen, zählen sie zu den besten Szeneexporten des letzten Jahres.

Egal ob sie in Graz eine Halle, oder den Konzertraum des Club Wakuum bespielen, Assaia werden das Publikum immer mit unglaublich guter musikalischer Leistung und feingefühl für Musik und Atmosphäre für sich gewinnen können.

 

Es war der beste Mittwoch-Konzert-Abend, den man seit langem erleben durfte. The Immigrants, Contact High und Assaia boten wahrlich eine große musikalische Leistung und können sich auch über die Szenenmusik hinaus behaupten. Dieses Dreiergespann sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen!

 

The Immigrants
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Contact High
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Lessons from Defeat

Assaia
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Hickory
Oak

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