Lektionen der Niederlage – Contact High Album Review

4 Musiker. 8 Jahre. 10 Lieder.  Eine Niederlage….

…könnte man nun meinen, wenn man den in die Irre führenden Albumtitel  Lessons from Defeat von Contact High Glauben schenken will. Was sich auf diesem 10 Song starkem Album, welches gute 50 Minuten dauert, befindet, werden wir euch versuchen ein wenig näher zu bringen.

Ganz sachte und mit Vorsicht, da sich zeigen wird, dass jedes Lied ein wenig wie ein Schnitt in der Seele klingt.

Blood & Tears

Treibend und mit stampfenden Rhythmus beginnt das Album Lessons from Defeat mit der Nummer Blood & Tears, welche etwaige Einflüsse der Stoner Rock Richtung spüren lässt. Was von Anfang an auffällt ist auch dieser krachende Sound und die Stimme, die klingt als würde sie aus einem alten Radio tönen.  Nach einer kurzen Bridge in der Mitte des Liedes, findet man sich in einem tempoaufbauenden 2 Minuten Solo wieder, welches zwar immer wieder gewisse Lines und Abläufe wiederholt, aber durch die Dynamik der restlichen Musiker keinesfalls langweilig wird.

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A History of Violence

Wovon dieses Lied handelt, kann man sowohl an dem Titel als auch am Introsatz „Machine-Gun Bacon“ erraten. Immer wieder werden im Lied Textphrasen aufgefasst, die scheinbar auf die Menschheitsgeschichte und ihre Erfindung (und Findungen) wie das Feuer und dem aus Stein gemeißelten Dolch anspielen. Musikalisch wirkt die Nummer etwas festgefahren, jedoch passt diese Eigenschaft nicht schlecht zum Konzept des Liedes, der sich mit der stupiden und primitiven Gewalt auseinandersetzt, obwohl man eben mehr positives aus den Erfindungen hätte machen können, als seinen Unbekannten nächsten zu ermorden und ihm um dessen Besitztümer zu erleichtern.

 

Low

Spätestens jetzt fragt man sich, was bei Contact High sich mehr beeinflusst hat. Der Text das Arrangement oder das Arrangement den Text. Bisher passte jeder Titel und jeder Text zu der Stimmung des Liedes oder eben jedes Arrangement zu jedem Titel.

Selbiges ist auch bei Low der Fall. So wirkt die Nummer sehr trüb und neblig, um nicht zu sagen ein wenig depressiv und düster. Nicht wirklich Emo, aber ein wenig fühlt man sich bei dieser Nummer wie Gruftis. Ein etwas morbider Unterton trägt sich von Anfang bis Ende und erfüllt damit den Gedanken eines immer wiederkehrenden Themas im Album.

 

Dressed for Fun

Fun ist diese Nummer wohl nicht. Die Orgel im Hintergrund verleiht Dressed for Fun eine satirisch tragische Stimmung, die das Gefühl von Abschied vermittelt. Gegen Mitte bricht das Thema in ein Solo ab, welches von einem kurzen instrumentalen Part abgerundet wird. Auf diesen folgt noch einmal das gewohnte Thema mit Gesang, welches allerdings durch den Zwischenteil bereits wesentlich positiver klingt als zuvor, jedoch im Ende wieder diesen satirisch tragischen Tonverlauf einnimmt und so auf kein Happy End der Gefühle jedoch auf ein sehr gutes Ende des Liedes schließen lässt.

>>…second guesses are the poor man’s fall grace…<<

 

Vienna, TX

Das Lied, das sich musikalisch wohl am meisten vom restlichen Album unterscheidet ist wohl Vienna, TX. Obwohl der Stil eingehalten wird, klingt es wesentlich funkiger als der Rest. Der Groove des Liedes ist ein anderer und wesentlich aufgeschlossener. Während die Breaks und Soli in den anderen Liedern noch zum Grundschema passten, bekommt Vienna, TX einen extremen Bruch. Das Lied kommt vom gesprungenen Funk durch das Abbremsen beinahe zum totalen Stillstand. Fast nichts geht mehr. Die Instrumente hart aber ruhig. Auf diese Art und Weise bietet sich ein ausgezeichneter Übergang zu der nächsten Nummer.

 

The Breed

Aufrechter Beat an den Drums und ehrliche Basslines prägen dieses Lied. Die Gitarren fallen hier nur im Hintergrund auf und spielen eher eine untergeordnete Rolle, füllen jedoch das Lied auf. Es springt sofort ins Ohr, dass sich hier nicht mehr David Hucek sondern Markus Diepold am Mikrofon befindet. Durch seine Stimme klingt The Breed wesentlich aggressiver als die restlichen Lieder des Albums. Mit einer kleinen sprachlichen Einspielung, über die ein aufsteigender Gitarrenriff gelegt wurde, kann das allerdings auch die Stimmung und den Stil des Albums Lessons from Defeat aufrechterhalten. Mit aggressivem Geschrei unterlegt mit Gitarrensoli endet das Lied auch schon wieder.

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A.C.K..

Mit noch mehr Action geht es bei A.C.K. weiter. Die Klänge der Gitarren lassen an eine Sirene erinnern, die Alarm vor der herannahenden Gefahr schlägt. Im Verse wirkt sie etwas schräg, da die Gitarren nicht permanent einen Rhythmus durchspielen sondern vielmehr unkontrolliert jedoch beherrschend in das Geschehen eingreifen.

Sie lässt einen ein wenig in einer Kälte der Distanz sitzen, welche durch den entfernt klingenden Gesang ein eigenartiges Gefühl vermittelt. Auffällig ist in A.C.K. auch der Gesangpart, welcher wie ein rasanter Zungenbrecher wirkt und nur so aus Sänger David Hucek hervorpeitscht.

>…to really shine, you have to fail harder, a little harder every time…<<

 

Truth with capital T

Ein mit Effekten übersäter Klang eröffnet hier das Intro dieser nach Trunkenheit klingenden Nummer. Es könnte sowohl eine Person mit alkoholischem Getränk in der Hand an einer Bar sitzend singen, als auch jemand der nach Hause torkelt.  Ein wenig Schwung erhält es in diesen Übergängen die immer wieder durch das Schlagezeug penetriert werden und zu extremen Passagen im Lied führen. Textlich werden durch „Why can she see, what I can’t see; Why can she be, what I can’t be“ geführt, was ein wenig Eindruck auf die vorwiegend sentimentale Art des Liedes und des Albums Lessons from Defeat wirft.

 

Poor Man’s Fall from Grace

Eine der wohl ruhigsten Songs kommt kurz vor Ende auf dem Tonträger zum Vorschein. Diese wirkt diesmal zwar so wie die anderen Lieder etwas abschweifend und verträumt und doch recht bluesiger im Gegensatz zu den anderen Liedern.

Wie es nicht anders zu erwarten war, kam auch hier wieder ein Solo. An sich ist ein Solo sicher kein Problem, nur lässt sich darüber diskutieren, ob wirklich in jedem ein Lied ein solches vorkommen soll. Auch wenn die Soli von Contact High sich von Song zu Song immer wieder unterscheiden, strahlt ihre Rhythmusgruppe und das dazugehörige Arrangement doch sehr heraus.

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Lessons from Defeat

Mit dem Titeltrack des 50 minütigen, 10 Songs starkem Album wird dann auch schon das Ende eingeläutet. Im Gegensatz zu anderen Songs, ist die etwas melancholische Untergangsstimmung zwar noch vorhanden, baut jedoch immer mehr auf und wirkt gegen Ende sehr positiv. Wie der Titel schon verrät dreht es sich um das eigene Versagen und die Niederlage aus welcher man lernen sollte um sich selbst zu verbessern und irgendwann wieder im vollen Glanz zu strahlen.

 

 

Fazit

Ein sehr gelungenes melancholisches Album, welches den Titel Lessons from Defeat nicht umsont trägt mit 10 Liedern, die zwar den gleichen Stil verfolgen jedoch jedes einzelne für sich unterschiedlich ist durch unterschiedliche Größen an Glanz bekommt. Sei es nun die Bassline von Wolfgang Zisser, die Drums von Gernot Diepold oder die Abwechslung der Gitarrenriffs und des Gesangs durch Markus Diepold und David Hucek. Lessons from Defeat kann sowohl Fans nostalgischer Retro-Radio-Klängen sowie Fans von ausgefeilten Rocknummen gefallen. Insgesamt gibt es nur wenige Songs, die unter den 5 Minutenmarker landen, wodurch auch jede Song für sich ein Genusserlebnis darstellt.

Anfangs ist zwar gerade dieser Retrosound etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch erkennt sehr schnell den Charme dieses Klanges und genießt die 10 Lieder von Lessons from Defeat in vollen Zügen!

 

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