Lava Lamp Rock’n’Roll (High Brian/The Heavy Minds/Contact High)

Immer wieder gibt es Überraschungen was Bands betrifft. Manchmal auch Enttäuschungen, aber dieser Abend war es definitiv auf seine Art und Weise sehr interessant. Wer sich zum Album-Release von High Brian im PPC überreden konnte, bewegte sich im Laufe des Abends zwischen Vintage Sound und elitären Hippieklängen und schwebte auf einer Wolke aus Zuckerwatte neben  Gandhi und einer Anomalie des Bewusstseins in Richtung musikalisches Nirwana. Aber jetzt langsam der Reihe nach…

Contact High

Den Anfang machten die Grazer Contact High. Eine weitere Show für diese Band innerhalb weniger Wochen. Obwohl es zu Beginn des Konzerts noch relativ ruhig verlaufen ist, sammelten sich mit jedem weiteren Song immer Gäste im Barbereich des PPC ein. Contact High indes spielten und gaben sich professionell. Sie spielen vor zehn genauso wie vor hundert Besuchern und geben alles, was ihre Show zu bieten hat. Diese überzeugt mit jeder Menge guter Musik und spielerischer Genauigkeit. Während jeder Ton der Band gezielt abgewogen ist, werden die Effekte der Gitarren wie unter anderem ein Wah-Wah (Ein Klangfilter, bei dem die Frequenz der Resonanzspitze im Spektrum hin- und hergeschoben wird; Der Name kommt von dem dadurch entstehenden Klang und fand ursprünglich Einzug bei Blasinstrumenten mittels Plunger-Dämpfer) nur ganz dezent und  sehr bewusst eingesetzt.

Spielerisch steigert sich die Band trotz ihres hohen Levels mit jeder Show. Auch an diesem Abend konnten die vier Jungs von Contact High dies wieder beweisen. Mit ihren Vintage Klängen die Gitarren und der Kombination mit den Keys, erlebte man den Klang von Omas alten Radiolautsprechern live auf der Bühne. Zwar nicht so verschwommen, dafür aber mit jeder Menge Ambiente und exakten Tönen. Bei ihrer Performance erkannte man, dass sie jeden einzelnen Ton ihrer eigenen Lieder lieben und leben. Exakte gemeinsame Enden, Anfänge und Pausen lassen Contact High brillieren. Tanzbare, aber teils melancholische Lieder, welche sich auch auf ihrem Album Lessons from Defeat wiederfinden lassen, reißen das Publikum in emotionale Turbulenzen zwischen gruftischen Grabsteinlesen und springender Tanzparty.

Ein wunderbarer Beginn mit einem sehr geplanten und gelungenen Ende für den lokalen Opener des Abends. Sie ließen bereits erahnen, dass mit einem solchen ersten Act den Besucherinnen und Besuchern des High Brian Album-Releases ein musikalisch sehr impulsiver und starker Abend bevorstehen würde. Die Erwartungen waren hoch, Contact High übertraf diese und legte die Messlatte für den zweiten Act, The Heavy Minds, noch höher an.
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The Heavy Minds

Die aus Oberösterreich stammenden Heavy Minds waren wieder eine dieser Bands, die so wirkt als würde etwas fehlen. Der Bassist. Jedoch dauerte dieser Eindruck nicht lange an. Obwohl sich auf der Bühne nur zwei Gitarristen und ein Drummer befanden, erklangen recht schnell, ziemlich tiefe Basstöne. Während manche am Anfang etwas irritiert waren, wenn ihnen die Situation bewusst wurde, konnte andere die Herkunft des Signals schnell feststellen. So spielt sich einer der beiden Gitarristen von den Heavy Minds mit solchen Effekten, die ihm ermöglichen, das Signal der Gitarre zu splitten und sowohl Basstöne über den einen, als auch Gitarrenklänge über einen anderen Verstärker erklingen zu lassen.

Mit einer etwas düsteren Atmosphäre bei verdunkelten Licht spielten The Heavy Minds ihre schweren, psychedelischen Stoner Rock Songs vor einer mittlerweile recht vollen PPC Bar. Wer gegen Mitte des Konzertes nach hinten wollte um etwas Luft zu schnappen, der hatte schon etwas zu kämpfen, um noch durch die Masse an Leuten hindurchzukommen. The Heavy Minds rockten das Publikum bis in die letzte Reihe. Die tiefen Bassklänge dröhnten entlang der Theke und der Venue bis zum Eingang.  Eine unglaublich gute Vorbereitung auf High Brian und auch ein durchaus gelungener Act für sich. The Heavy Minds begeisterten mit ihren 60er/70er Jahren Einfluss und ließen das Publikum sich zurück in eine Welt der Meditation über sich selbst und das Sein versetzen, wo die Melodie nicht nur die Ohren, sondern den ganzen Körper bis zu den einzelnen Chakren berührt.
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High Brian

Zu guter Letzt bekam das heiß gespielte Publikum das, weswegen es schließlich zu dieser Veranstaltung gekommen war: High Brian und dem Release ihres ersten Longplayers Hi Brain. Ob der Titel des Albums wohl daher kommt, dass man während des Hörens ihrer Lieder ein gewisses „High“ im „Brain“ bekommt, sei jetzt mal einfach so in den Raum gestellt, davon kann sich jeder selbst überzeugen. Dass ihre Musik live aber definitiv ein gewisses Hochgefühl auslöst, dem können zumindest nach diesem Auftritt haufenweise KonzertbesucherInnen zustimmen. High Brian setzten da an, wo viele Bands Ende der 60er aufhörten. Ihr Sound ist eine Mischung aus modernen Gitarrenrock und indigen Klängen eines auditiven Mandalas. Zwischen den Zuckerschock, den das Gehirn beim vernaschen von Zuckerwatte erleidet, und einem Schweben in natürlichen Sphären einer Lavalampe. Gitarren kombiniert mit Orgelsound und ein treibender Bass versetzenden uns zurück in das Jahr 1969 und gaben uns den Eindruck, als hätten die 60er Jahre nie geendet.

Unterstützt wurde die Band an diesem Abend durch ein zusätzliches Mitglied, welches sich an den Organ Sounds zu schaffen machte. Dies war niemand anderer als der aus der Psychedelicious Band The Flying Cat bekannten Nic. Dieser erschuf gemeinsam mit High Brian eine atemberauben Umgebung. Alle zusammen im Dress einer frühen The 70s Show ließen das Publikum eine meditative Zeitreise erleben und punkteten mit jedem einzelnen Song ihrer gesamten Setlist.

Der teilweise extrem treibende Beat bewegte die Masse der Leute in Richtung musikalisches Nirwana. Ein Trip, der bereits mit Contact High gestartet, von The Heavy Minds weitergeführt und bei High Brian seine Vollendung fand. Das gesamte Konzert von High Brian hatte sowohl ein Anfang als auch ein Ende. Es war ein Ganzes und ließ niemanden aus dem Takt kommen. Weder die Band, noch das Publikum – alles bewegt sich auf einer Welle aus Gefühlen und Emotionen. Durch ihre Musik leicht wie eine Feder fühlend,  flog man im inneren Auge durch bunte Welten und erlebte einen Trip – auch ganz ohne den Einfluss von bewusstseinserweiternden Drogen. Bei High Brian ist die einzige bewusstseinserweiternde Droge ihre Musik, die uns in eine andere Welt zu versetzen schien.
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Gegen Mitternacht fand dann auch die Live-Musik des sehr gelungenen Album-Release von High Brian ein Ende. Es sollte niemand enttäuscht nach Hause gehen und man konnte sich bereits die ersten CDs und Vinyls ergattern. Wobei es von der Vinylversion ihres Albums Hi Brain auch eine auf 200 Stück limitierte Edition in orangefarbenem Vinyl gibt, die sich jede/r LiebhaberIn und SammlerIn holen sollte, da man mit High Brian definitiv nichts falsch machen kann.

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