…for what it’s worth – Festivalpreise

Was sind Festivals wirklich wert? Die Preise bewegen sich gefühlt zwischen Gut und Böse. Wo man teilweise knapp € 50,- für einen Tag zahlt, zahlt man für ein anderes für einen Tag um die € 90,-.

Aber was kosten uns die Festivals wirklich? Sind sie wirklich so teuer, wie es den Anschein hat? Vorab sei gesagt, dass sich die folgenden Rechenbeispiele auf jeden anders auswirken und andere Ergebnisse erzielen können. Wir ziehen hierbei zur einfacheren Erklärung, die Vorlieben und Erfahrungen des Autors heran.

Sämtliche Preise, die hier genannt werden, beziehen sich auf die Preisangabe von www.oeticket.com per 31.05.2016 und sind ohne Gewähr.

FM4 FREQUENCY -> 149,90 (Quelle: frequnecy.at)
FM4 FREQUENCY -> 149,90 (Quelle: frequnecy.at)

Lasst uns starten.

Natürlich ist es Nachvollziehbar, dass Festivals nicht wenig Geld kosten. Durch immer mehr Angebote auf den Festivals selber und den steigenden Gebühren und Abgaben, die für die einzelnen Veranstalter anfallen, muss zwangsweise auch der Preis mitsteigen, da trotz der Nachfrage kein erweitertes Kontingent an Tickets möglich ist und die einzelnen Eventlocations nur für eine bestimmte Anzahl an Personen zugelassen sind.

Teilweise können sich Festivals durch Sponsoring von Firmen finanzieren, welche wiederrum einen Stand am Festival aufbauen können.

Jedoch kosten vor allem große Acts sehr viel Geld und man darf den Veranstaltern nicht verübeln, wenn sie nicht gegen Null arbeiten, sondern auch ihre Mieten zahlen und ihre Familien ernähren wollen. Zudem müssen sie ein wirtschaftliches Plus erarbeiten, um ein finanzielles Standbein zu haben, mit welchen sie im nächsten Jahr die vom Publikum gewünschten, aber auch teurer gewordenen, Acts auf ihr Festival holen können.

So kosten Konzertkarten schnell € 159,90 (NOVAROCK) oder € 179,90 (ROCK IN VIENNA). Aber kosten diese Festivals uns tatsächlich diese Summen an Geld, wie es den Anschein hat? Kommt da noch mehr hinzu, oder sind sie am Ende sogar günstiger als Gedacht?

ROCK IN VIENNA -> €179,90 (Quelle: rockinvienna.at/)
ROCK IN VIENNA -> €179,90 (Quelle: rockinvienna.at)

Hier ein Beispiel:

Nehmen wir an, wir (aus perspektive des Autors) fahren zu dritt zu einem Festival, welches uns theoretisch € 150,- pro Person kosten würde. Da in unserem Umkreis kein Platz für dieses oder andere Festivals ist, nehmen wir 400 km Fahrt in Kauf, welche uns in beide Richtungen eine Tankladung von insgesamt knapp € 50,- kostet. Somit bezieht sich der Preis auf € 200,-.

Um nicht zu verhungern, haben wir ein paar Trockenjausen in einer Kühlbox dabei. Klein, handlich, aber groß genug um Essen für mehrere Personen für 3 Tage darin zu lagern. Kostete uns mit Inhalt pro Person knapp € 40,-. Ein paar Getränke passten auch noch rein.

Angekommen am Festival, baute jeder von uns ein € 20,- Zwei-Personen-Zelt auf. Wir hatten im Gepäck genügend Platz für alle 3, einer von uns hatte sogar noch sein altes Zelt zuhause.

TWO DAYS A WEEK -> € 54,50 (Quelle: facebook.com/twodaysaweekfestival)
TWO DAYS A WEEK -> € 54,50 (Quelle: facebook.com/twodaysaweekfestival)

Somit waren wir bei der Ankunft auf gut € 260,- pro Person.

Schnell stellen wir fest, dass auf diesem Festival kaltes Bier für wenig Geld und sogar verschiedenste Imbissläden gab, welche für knapp € 6,- sowohl Fleischbestückte, als auch vegane Burger anboten. Verhungern mussten wir nicht, und die Kühlbox hätte uns auch erspart bleiben können.

Am ersten Abend teilten wir mit unseren Zeltnachbarn unser Essen und unser Bier, sie teilten ihren Gaskocher und ihre Klopfer mit uns.

Dann begann der erste Festivaltag eines 3-Tage-Line-Ups.

NOVAROCK -> € 159,90 (Quelle: novarock.at)
NOVAROCK -> € 159,90 (Quelle: novarock.at)

Tag 1

Die Nachmittagsbands an diesem ersten Tag waren für uns alle zum Großteil uninteressant, nur ich werde mir eine Band ansehen, die mit 40 Minuten eine recht kurze Spielzeit hat. Da ich die Band aber bereits im Winter als Support eines größeren Acts gesehen habe und ich dabei auch auf den Geschmack bekommen bin, wollte ich sie unterstützen und mir den Spaß gönnen, den Act wieder live zu sehen.

Später am Abend spitzt es sich zu und wir stellen uns bereits 2 Acts vor dem Headliner zu Bühne. Wir alle sind Fans der Vorbands und da uns diese pro Ticket bereits gute € 30,- für ein einzelnes Konzert kosten würden, mussten wir sie einfach sehen. Der Headliner selbst kostet uns für ein einzelnes Konzert € 80,-  und würde in einer Halle spielen, welche akustisch womöglich nicht für eine solche Band geeignet ist.

Zieht man die Kürzung der Zeit in Betracht – die Bands spielten teilweise nur die Hälfte ihrer eigentlichen Konzertzeit (der Headliner kürzte um ein Viertel auf 90 Minuten) – kosteten uns die Bands vor dem Headliner je € 15,-, die Nachmittagsband € 8,- und der Headliner selbst € 60,-.

Demnach befand ich mich nach dem ersten Tag auf ungefähr € 162,-, wobei nach dem Konzert noch ein wenig für die Aftershowparty ausgegeben wurde. Dies kann man, muss man aber nicht in die Rechnung miteinbeziehen, da man abends ohnehin jenes Geld auch ausgegeben hätte, wenn man sich nicht auf einem Festival befinden würde.

LAKE FESTIVAL -> € 179,90/Wavenreaker (Quelle: facebook.com/lakefestival.edm)
LAKE FESTIVAL -> € 179,90/Wavenreaker (Quelle: facebook.com/lakefestival.edm)

Tag 2

Der nächste Tag wurde von Regen geprägt. Außerhalb des Zeltes war alles voller Matsch. Wir kauernden uns mit unseren Zeltnachbarn unter unser Pavillon. Teilweise spürten wir den Regen an unseren Rücken und ein kalter Wind durchzog immer wieder unsere Überdachung. Wir schwemmten mit mitgebrachtem Spiritus die Kälte weg.

Am frühen Abend verzog sich der Regen. Die Sonne brach durch die Wolken und strahlte voller Energie auf die Festivalbesucher nieder. Wie in einen Bann gezogen, bewegte sich die Masse von dem Campingplatz wieder in Richtung der Bühnen. Einer von uns blieb heute aus, da er etwas zuviel getrunken hatte, und nun im Zelt liegen blieb.

Für uns zwei, die übrigblieben, war es nun etwas stressiger als gestern. Während wir auf der einen Bühne 2 Bands komplett sehen konnten, mussten wir kurz vor Ende der dritten Band wechseln, um noch einen guten Platz für den Headliner der zweiten, etwas kleineren Bühne zu erwischen.

Auch hier galt wieder die Regel, dass uns 2 Bands je € 15,- kosteten, der Headliner diesmal jedoch nur € 45,-, da die Konzertkarten seiner Shows normal € 60,- betragen.

Wie man den Act vor dem Headliner rechnen soll, den wir nicht zur Gänze sehen konnten, ist nun schwer zu sagen. Da wir aber den Großteil von ihm gesehen und gehört haben, kann man ihn durchaus unter Vorbehalt mit € 10,- in diese Rechnung miteinbeziehen.

Somit hatten wir nach dem zweiten Tag eine Summe von € 77,-, was uns das Festival bisher kostete. Der dritte Tag allerdings, hatte es in sich, was unsere Ausgaben betrifft.

NUKE FESTIVAL -> € 89,00 (Quelle: http://www.nuke.at/)
NUKE FESTIVAL -> € 89,00 (Quelle: http://www.nuke.at/)

Tag 3

Nun war er angebrochen, der letzte Tag des Festivals und im Schnitt hatten wir nur noch € 77,- dafür bezahlt, auf einem Konzert von Bands sein zu dürfen, von denen wir nicht alles sehen wollen.

Da uns heute allerdings das Essen und das Trinken ausgegangen waren, suchten wir nun die Imbissstände nach Ess- und Trinkbaren ab. Pro Person verbraucht hier wohl jeder um die € 50,-, was uns zurück auf € 127,- für das Festival geworfen hat.

Zur Mittagszeit bewegten wir uns an diesem sonnigen Tag bereits zu den Bühnen, da es der Line-Up stärkste Tag des ganzen Festivals war. Es spielten an diesem Tag 6 von 9 Bands, für welche wir uns interessierten. Line-Up technisch wurde der Tag auch so optimal geplant, dass man sich jede Band fertig ansehen konnte und dann die Bühne wechseln, ohne etwas von einer anderen Band zu verpassen.

Hierbei gab es für uns 2 Acts am Nachmittag zu je € 8,-, 2 Acts vor dem Headliner zu je € 15,- und, was den Aufbau der Running Order unglaublich machte, 2 Headliner zu je € 60,-, da diese soweit zeitversetzt starteten, dass man sich beide komplett ansehen konnte.

AND THERE COME THE WOLVES -> € 99,00 (Quelle: facebook.com/andtherecomethewolves)
AND THERE COME THE WOLVES -> € 99,00 (Quelle: facebook.com/andtherecomethewolves)

Fazit

Wir hätten einen Festivalabschluss von € -31,-, was uns die Konzerte der einzelnen Bands gekostet hätten.

Wichtig ist allerdings: Es wurde nur der notwendigste Konsum von Speisen und Getränken gerechnet, sowie der Konsum, welcher übermäßig ist und nicht bei anderen Konzerten oder Events stattfinden würde. Natürlich braucht man bei einem Konzert mit zwei Acts keine festen Nahrungsmittel, so dauern sie oft nicht länger als 4 Stunden ab Einlass.

Außerdem haben wir in unserem Beispiel auch nicht den Qualitätsverlust des Klanges bei starkem Wetter miteinbezogen.

VIENNA SUNSPLASH -> 49,90 (Quelle: facebook.com/sunsplashfestivalAT)
VIENNA SUNSPLASH -> 49,90 (Quelle: facebook.com/sunsplashfestivalAT)

Was allerdings auch einen Pluspunkt darstellen könnte, ist eben jenes Wetter, welches uns die Feuershow von Metallica in strömenden Regen niemals vergessen lässt, oder auch den Hagelsturm mit Blitz und Donner bei AC/DCs Thunderstruck zu einem einmaligen Erlebnis werden ließ.

Welche Tatsache noch zu bedenken ist, ist jene, dass nicht jede Band auf einem Festival dieselbe Show wie auf einen ihrer eigenen Konzerte bietet. Während Rammstein so ziemlich nahe an ihren Hallenshows sind, kann Muse auf einem Festival nur schwer mit ihren eigenen Konzerten mithalten. Dieser Punkt ist nicht leicht zu kalkulieren, da nicht jede Band die gleiche Bühne hat, beziehungsweise die gleiche Show liefert. In unserem Beispiel wurde dieser Punkt ausgelassen, da wir von Band im allgemeinen berichteten, ohne eine spezifische hervorzuheben.

OUT OF THE WOODS -> € 119,00 (Quelle: facebook.com/outofthewoodsfestival)
OUT OF THE WOODS -> € 119,00 (Quelle: facebook.com/outofthewoodsfestival)

In anbetracht dessen, dass die meisten Konzerte nicht in der direkten Nachbarschaft stattfinden und wir auf diesem Festival eigentlich 14 Konzerte sahen, hat es sich auf alle Fälle gerechnet einmal mehr für das Ticket auszugeben, als unter dem Jahr verteilt immer zu den einzelnen Bands zu fahren.

Zudem bieten uns Festivals ebenfalls die Möglichkeit, neue Bands zu entdecken, für die wir nicht extra auf ein Konzert gehen und ein Risiko in Kauf nehmen müssen. Wenn uns diese Bands gefallen, können wir dann ohnehin auf ihre anstehende Konzerte gehen.

LOVELY DAYS -> € 64,90 (Quelle: facebook.com/lovelydaysfestival)
LOVELY DAYS -> € 64,90 (Quelle: facebook.com/lovelydaysfestival)

Wer sich selbst ausrechnen will, ob sich ein Festival für ihn lohnt, könnte sich eine Tabelle wie die folgende machen, und einfach darüber nachdenken, was ihm  die einzelne Band oder Sache Wert ist.

 HIPHOP OPEN AUSTRIA -> € 112,00 (Quelle: hiphopopen.at)
HIPHOP OPEN AUSTRIA -> € 112,00 (Quelle: hiphopopen.at)

Do it yourself!

Den Preis, den ihr für eine Band auf einem Festival festlegt, sollte sich aus deren Eintrittspreis der Einzelkarte, der Gesamtlänge der regulären Spielzeit, ihrer Liveshow (zB Muse) und den Ort, an welchem diese Konzerte, mit den verbundenen Fahrkosten, stattfinden, ergeben.

Festivalpreis

 

150,- 3 Tage
-Bandpreis 1

 

3×8,- (Einzelkarte 16,-)
-Bandpreis 2

 

6×15,- (Einzelkarte 30,-)
-Bandpreis 3

 

1×45,- (Headliner Einzelkarte 60,-)
-Bandpreis 4

 

3×60,- (Headliner Einzelkarte 80,-)
+Essen

 

30,- (Was zusätzlich anfällt, und man nicht ohnehin braucht)
+Trinken

 

80,- (Wie oben. Was man nicht ohnehin ausgeben würde)
+Sonstiges

 

80,- (Dinge, die man sich einfach so kauft wie Nietenbänder)
Gesamt 1,- (Individuelle Kalkulation)

 

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