Foo Fighters vs. X Fighters

Vorab: Ich bin Foo Fighters Fan. Deswegen soll dieser Beitrag nur als Gedankenspiel zum Thema Eintrittspreise und Wertschätzung von Bands dienen.

Datum:               11. November 2015
Ort:                      Stadthalle, Wien
Band:                  Foo Fighters
Eintrittspreis:  € 80,-

Beengt in der ausverkauften Wiener Stadthalle wartete das Publikum auf den Start des Konzertes der Foo Fighters. Der Vorhang ragte schon vor der Bühne, auf ihm abgelichtet das Foo Fighters Logo. Für mich war es nicht das erste Mal, dass ich diese Band live sehe. Sie spielten im Sommer 2011 am Frequency Festival, was mich damals neben Ramazuri, Samy Deluxe und Rise Against, unter anderem dazu bewogen hatte, mir das knapp 80,- Euro „teure“ Tagesticket zu kaufen.

Da sie bereits damals, auf dem Festival, eine wahnsinnige Stimmung erzeugten und auch die Spielzeiten bei Festivals etwas begrenzt sind, musste ich einfach bei einem ihrer eigenen Konzerte erleben – Es kann doch nur ein Wahnsinn werden.

So fand ich mich 4 Jahre später in Wien wieder und wartete mit 10.000 weiteren Gästen darauf, dass nun endlich die ersten harten Riffs aus den Verstärkern erklingen werden.

Nach klassischer Rock-Show-Manier ging das Licht aus und richtet sich nur noch auf die Bühne. Nach einem „Are you fucking ready?!“ begann die Band zu spielen und legten mit ihrem Song Everlong los. Ein gröllen und jubeln der Masse hob sich durch die Halle, der Vorhang fiel und zog sich in der Mitte wieder nach oben um in der Decke zu verschwinden, und die Foo Fighters starteten das Österreichkonzert auf ihre „Broken Leg“ Tour.

Spielerisch leistete die Band ein Meisterwerk und wahre Professionalität, leider kommt diese der Architektur der Stadthalle zum Verhängnis, welche – rein akustisch betrachtet – nicht sehr gut für Konzerte geeignet ist. Immer wieder überschlug sich der Hall im Großraum der Halle, so dass man nur auf bestimmten Positionen einen vollen Klanggenuss erleben konnte. Auf der Suche nach diesem Punkt, headbangte ich mich durch die Crowd an Foo Fighter Fans.

Zu meinem Glück war dieser Platz schnell gefunden und bot mir nebenbei noch eine gute Sicht auf Gitarrenthron von Dave Grohl, welcher eigens für ihn und sein gebrochenes Bein konstruiert wurde, damit sie die Tour nicht verschieben mussten.

Zwischen den mittlerweile teils gut angetrunkem Publikum, gröllte ich die Lieder und versuchte dem schwitzenden nacktem Typen neben mir auszuweichen, da ich Fan von den Foo Fighters, nicht aber Fan von seinen Achselhaaren bin. Werde ich wohl auch nie werden.

Ganze 2 Stunden rockte die Band um Dave Grohl die Halle. Dieser erzählte dem Publikum immer wieder amüsante Anekdoten, welche die Leute zum Lachen und Schmunzeln brachte – insofern die Englischkenntnisse reichten. Auch erwähnte er, dass dies der erste Tag sei, dass er wieder frei gehen konnte und er dadurch bereits die wunderschöne Altstadt Wiens erkunden durfte. Um seinen Fortschritt im Bezug auf sein gebrochenes Bein zu zeigen, stieg er von seinem Thron und ging den Mittelsteg entlang, der sich von der Bühne bis in das Publikum gezogen hatte. Seine Bemühungen wurden von dem Publikum mit einem respektablen Applaus gewürdigt.

Zum Ende des Konzerts verkündeten die Band, dass sie jetzt nicht von der Bühne gehen werden um dann ohnehin nochmal auf die Bühne zu kommen und eine Zugabe zu spielen, sondern sie werden die Zugabe gleich spielen und dann einfach nicht mehr wiederkommen. Diese Aussage ließ sie für mich noch sympathischer wirken, als sie ohnehin schon waren.

Am Merchstand kaufte ich mir zur Erinnerung noch ein vergleichsweise günstiges T-Shirt, holte mir beim Imbissstand im freien noch etwas zu Essen und trinken. Unterhielt mich noch mit Freunden und Bekannten über das Konzert und verließ das Gelände in Richtung Stadt.

Was neben dem T-Shirt bleibt sind die Erinnerungen an ein Konzert, bei welchem ich Glück hatte es zu sehen, da die Grenzen ein paar Tage später aufgrund der Anschläge in Paris geschlossen, bzw die Kontrollen verstärkt wurden und dies das Ende für die Tournee der Foo Fighters bedeutete, da ihr Tourneeplan so knapp bemessen war, dass die Roadcrew und der Tourbus nicht mehr rechtzeitig die anderen Städte erreichen konnten.

 

Datum:                15. Jänner 2015
Ort:                       Club Wakuum, Graz
Band:                   X Fighters
Eintrittspreis:  € 10,- (einmaliger Jahresbeitrag)

2 Monate nach dem Foo Fighters Konzert war in Graz eine Foo Fighters Tributeband am Start, die X Fighters.

Die Sache an solchen Bands ist immer, dass es schwer ist, das Publikum von sich zu überzeugen. Da gibt es dann immer die Kritiker in der Menge, die meint, es sei nicht wie das Original, da fehlt der Song, sie hätten diesen Song gespielt, aber grundsätzlich muss man sagen, dass keiner dieser Kritiker die Motivation auffinden konnte, eine solche Band aufzustellen.

Früher gab es meist einen guten Grund, warum man eine Coverband gründete. Dieser war meist, dass die Bands es einfach nie in die Region schafften, in welcher man selbst wohnte und in eine Stadt, die man leicht erreichen konnte. Dadurch fanden sich verschiedenste Coverbands von internationalen Interpreten wieder.

Heute ist das eher weniger der Fall, da eine Fahrt nach Wien ohne weiteres möglich ist und ohnehin jede Band unzählige Male in eine Stadt in der Nähe kommt. Manche sind während ihrer Abschiedstournee 3 Mal nach Österreich gekommen, da sie diese einfach immer wieder verlängert hatten um dann zu entscheiden, dass sie erst nicht aufhören, sondern eine Pause einlegen werden. Der einzige Grund heute noch eine größere Band so schnell als möglich zu sehen ist jener, dass die Musiker der Band teils schon über 60 sind und es da schon zu vermehrten Ausfällen kommen kann. Dem Tod entkommt eben keiner, und mit voranschreitenden Alter, steigen eben die Chancen, dass die Lieblingsband nächstes Jahr wirklich nicht mehr auf Tournee sein wird.

Aber dennoch sind sie es, und dadurch stellt sich die Frage, was Coverbands motiviert oder warum dort überhaupt jemand erscheinen soll.

Ich war noch in Gedanken bei den Foo Fighters und der unglaublich schlechten Akustik der Stadthalle in Wien, als ich erfuhr, dass in Graz eine Foo Fighters Coverband auftreten wird. Aus Interesse, da ich vor kurzem doch erst die Originale sah, überzeugte ich mich selbst, mir diese Band anzusehen – und wenn es nur ein Mitgröllen der Lieder werden sollte.

Eine erste Sache, die hier im Vergleich zum Konzert in der Stadthalle auffiel, war, dass die Running Order sehr unterschiedlich ist. Während in Wien der Einlass um 18 Uhr war, und der Support um 19:30 startete, sahen die Zeiten in Graz etwa verschoben aus. Um 20 Uhr begann der Einlass in den Club und die Supportband startete um kurz vor 22 Uhr. Ein wenig Rätselraten hatte es schon aufgeworfen, immerhin ist es recht seltsam, dass bei Konzerten ab einer gewissen Größe die Leute um 18 Uhr reingelassen werden und das Konzert gegen 23 Uhr beendet ist, wohingegen kleinere Konzerte später anfangen und auch später aufhören und die Leute dies auch nicht anders erwarten. Oftmals hört man die Besucher fragen, warum ein Konzert denn schon um 8 Uhr Abends anfängt, das wäre doch viel zu früh für ein Konzert und da hat doch noch niemand die Zeit zu kommen, wobei sie am nächsten Tag um 18 Uhr zu Madsen, Ghost oder Frittenbude gehen, ohne dass es da ein Problem sein würde.

Man merkte es wirklich stark: Als ich um neun in Club betrat, nahm ich an, dass nicht viele kommen werden, da es doch recht leer war, doch diesen Gedanken konnte ich eine Stunde später, als StaXcity, die erste Band des Abends, startete. Der Konzertraum hatte sich bereits beachtlich gefüllt und die vier Jungs rockten los. Sie bereiteten ein gutes Warm-Up für die X Fighters.

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StaXcity

Um kurz nach 23 Uhr war es dann auch für die X Fighters so weit zu zeigen, was sie können. Der komplette Konzertraum der Club Wakuum hatte sich gefüllt. Es war kaum noch Platz zum stehen und umfallen war unmöglich.

Ihre Setlist bot einem alles, was eine Foo Fighters Setlist bieten konnte. Long Road to Ruin, Learn to Fly und natürlich auch The Pretedener. Es fehlte wahrlich nichts in dieser Setlist. Spielerisch war die Band sehr überzeugten und hatte sichtlich Spaß daran, was sie machten: Foo Fighters Cover! Man merkte wahrlich, dass die Band aus Fans besteht, da sie jeden Song nicht nur spielten, sondern auch mitlebten und diese Sache überzeugte und motivierte auch das Publikum. Es shakte, sprang und headbangte was der Nacken hergeben konnte.

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X Fighters

Im Gegensatz zum Original spielten die X Fighters allerdings nicht ganz solange. Sie kamen auf knapp 75 Minuten saubersten Foo Fighters Rock, was dem Publikum aber nicht weiter störte, da diese knappe Stunde voller Energie war und die Masse rockte!

Ebenfalls war im Gegensatz zum Original der Sound um einiges besser, da sich der Club besser für Konzerte eignete als die Stadthalle in Wien. Es gab keine Überschlagung des Sounds und man hatte permanent einen guten Klang und einen breiten Soundteppich.

 

Zusammenfassung:

Beide Konzerte waren wirklich unglaublich gut, nur würde es wohl anders wirken, wenn die X Fighters in der Stadthalle spielen und die Foo Fighters im Club Wakuum. Die Foo Fighters werden immer den Bonus der Bekanntheit haben, welcher ein Konzert vielleicht besser erscheinen lässt, als es tatsächlich ist. Die Foo Fighters waren dennoch spitze!

Was allerdings zu Kopfschmerzen führt ist, dass ich 70,- Euro mehr für die Foo Fighters in einer Halle zahlte, in welcher sich um das 100fache mehr befunden hatten als bei den X Fighters im Club Wakuum, wo mir der einmalige Eintritt (für das ganze Jahr!) 10,- Euro kostete und ich nun auch noch immer wieder zu Konzerten gehen kann, die dort bis zu dreimal die Woche stattfinden.

Ich glaube, der Preisunterschied entsteht nicht etwa durch Geldgier der Band, sondern durch die Raummieten die Locations dieser Größe mit sich ziehen, und dann teilweise nichtmal gut für Konzerte und deren Soundansprüchen eingerichtet sind.

Dennoch muss ich anmerken, dass in selbiger Stadthalle auch Band wie Rammstein und Lady Gaga auftreten, welche beide eine unglaubliche Bühnenshow abliefern und deren Eintrittspreise sich ebenfalls im 80,- Euro Bereich bewegen. Deswegen war ich im Nachhinein von dem Preis/Leistungsverhältnis der Foo Fighters auch ein wenig enttäuscht, obwohl ihre musikalische Leistung unglaublich war.

Aber ist es das? Ist es das, wofür ich 80,- Euro zahle? Eine gute musikalische Leistung? Ein Bekanntheitsgrad? Ein wenig Mitgröllen?

Zumindest zwei der nun aufgezählten Sachen können mir die X Fighters ebenfalls bieten, und das für wesentlich weniger als 80,- Euro Eintritt.

Für mich steht fest, dass ich mir keine Foo Fighters mehr in einer Stadthalle ansehen werde, dafür aber bestimmt zu dem nächsten Konzert der X Fighters gehen werde, solange es nicht 80,- Euro kostet und in einer Location veranstaltet wird, bei welcher ich erstmal eine halbe Stunde einen Punkt finden muss, bei welchem sich der Sound nicht überschlägt. (Tipp: In der Nähe des Tontechnikers stehen kann meistens ein Vorteil sein)

Das bedeutet jetzt allerdings nicht, dass ich nicht wieder 80,- Euro für die Foo Fighters ausgeben würde. Wenn sie auf einem Festival spielen, ist die Chance hoch wieder dorthin zu fahren. Manche würden nun meinen, dass Festivals teuer sind. 70-80,- Euro für das Tagesticket, teilweise über 150,- Euro  für das ganze Festival. Allerdings zahlen wir auch 80,- für ein Headlinerkonzert, bei welchem sie nur eine knapp halbe Stunde länger auf der Bühne stehen. Bei Festivals bekomme ich für den Preis von 80,- für ein Tagesticket bestimmt noch ein bis zwei weitere Bands zu sehen, welche mir pro Konzert zwischen 20,- und 30,- Euro kosten würde. Von dem Band/Festivalpasspreisverhältnis brauchen wir erst gar nicht reden. Für 150,- Euro bekommt man eine Anzahl an Bands, für die man in einem Jahr knapp 1.000,- Euro zahlen müsste, und das noch ohne die Kosten für den Transport zu dem jeweiligen Veranstaltungsort.

 

Ich werde weiterhin ‚kleinere‘ Konzerte besuchen, da sich auch diese auszahlen, ich werde mich nicht über Festivalpreise beschweren, da diese doch recht Fair sind für die Leistung und die Anzahl an Bands, die es uns erbringt und ich werde die X Fighters, sowie auch die Foo Fighters wieder live sehen!

 

Interesse an Bands aus Österreich neben X Fighters und StaXcity? Folge dieser Playlist und schau, was sich hier noch alles abspielt.

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