Explosiver Dienstag – Epic as F***!

Der Dienstag nach einem langen Wochenende ist wohl einer der Tage, der einen noch mehr schafft als ein üblicher Montag. Meist erholt man sich erst an diesem Dienstag von den 3 Tage-Wochenende, welches durch den Montag verlängert wurde.

Jede Person, die nicht zur Vorlesung, zur Arbeit oder sonstiger Tätigkeit nachgehen musste, hatte das Glück, sich am Vormittag noch ein wenig auszukurieren. Manche kamen erst in der Nacht von Lignano zurück (#ligi2016 auf Social Media Plattformen erheiterten mir den Vormittag), andere kehrten erst am frühen Morgen von den wenigen Locations heim, die am Feiertag geöffnet hatten.

Unter anderem aus Gründen wie diesen, war es erstaunlich, dass am vergangenen Dienstag im Grazer Explosiv sich zahlreiche Leute eingefunden hatten, um nicht nur die japanische Metalband Bridear zu sehen, sondern scheinbar auch ihren Support. Gut gelaunt, wie es auf Metalkonzerten üblich ist, redete jeder mit jedem und es schien niemand ein Problem mit anderen zu haben. Tatsächlich kommt es bei solchen Veranstaltung nur sehr selten zu Handgreiflichkeiten, während sich diese bei anderen Veranstaltungen eher häufen, aber dazu später mehr.

Bereits im Vorverkauf zeichnete sich ab, dass es an diesem Abend recht voll in der Halle des Explosivs werden würde. So konnte man bereits lange vor Konzertbeginn um 20:15 unzählige Leute antreffen, welche unter anderem auch Shirts mit dem Bandlogo des Supports trugen. Andere, ohne dessen Bandshirts, redeten darüber, wie lange es nun schon her sei, dass die Band das letzte Mal die Bühne betreten hatte – ironischerweise mit einer anderen japanischen Metalband. Bereits damals war davon die Rede, dass sie sich etwas zurückziehen werden, um sich vermehrt auf ihr Album zu konzentrieren.

 

Klynt

Pünktlich zur Primetime um 20:15 war es dann soweit. Die Lichter gingen aus und auf der Videowall flimmerte das Bandlogo. Das Intro begann und Klynt betraten nach gut einem Jahr Abstinenz endlich wieder eine Bühne, um den schallenden Räumen ihres Proberaumes und die des Studios zu entkommen. War das Intro vorbei, schepperten die 5 Jungs mit lauten „Kill“ Schlachtrufen los. Mithilfe eines Schildes auf welchen die Buchstaben „K-I-L-L“ zu lesen waren, motivierten sie das ohnehin schon mitgrölende Publikum weiter, sich dem Ruf anzuschließen. Von Anfang an starteten Klynt mit einer gewaltigen Power und Energie, die bei jedem Schlachtruf mir geballten Fäusten präsentiert wurde.

IMG_4276-2Schlag auf Schlag ging es dann weiter, und eine Nummer folgte der anderen. Gitarrist Flavius toppte sich bei jeder einzelnen Nummer und zeigte eine Wahnsinns Bühnenpräsenz. Ob er nun mit Backvocals einsetzte, während dem Schreddern seiner Gitarrensaite quer über die Bühne rannte, oder für ein Gitarrensolo auf das, vor der Bühne platzierte, Case eines Gitarrentops sprang, er zeigte immer eine Wahnsinnpräzision und spielerisches Talent. Da ist es allerdings kein Wunder, dass sich kurzzeitig sein Funkgerät verabschiedete. Dieses Missgeschick viel aber nicht vielen auf, das es nur wenige Sekunden dauerte, bis er wieder mit vollem Klang da war. Eine solche Sache kann man konzentriert und im Fokus bestens bewältigen, wie Flavius dies bewiesen hatte.

Während er der Crowd eine akrobatische Glanzleistung bot, presste Sänger Dadu mit seiner kraftvollen Stimme eine Metalhymne nach der anderen raus, bis sie schließlich zu einer Nummer kamen, welche.. Nunja, nicht gerade dem Metal zugeschrieben wird. Angekündigt wurde die Nummer mit „Ich ging in mich und fand heraus, dass da noch mehr in mir steckt. Da steckt auch ein feuriger Latino in mir.“, gefolgt von „Dieser Song ist von Latinosuperstar Ricky MartinLivin‘ La Vida Loca!“

Dass diese Nummer bei allen gut ankam, konnte man fast erahnen, aber dass die Leute auch den Text mitsingen konnten, hätte man von Niemand erwartet. (Ja, mich inbegriffen)
Wo andere Bands Cover von Bands aus ähnlichen Genres einbauen, schaffen Klynt einen Song so umzuschreiben, dass er ursprünglich von ihnen sein könnte. Anzumerken ist vor allem bei dieser Nummer, dass es Klynt schafften den Refrain, welcher im Original im Vergleich zum Verse doch recht schwach ausfällt, mit einer erneuten Energie der Extreme zu puschen. Würde man das Lied nicht aus zahlreichen qualvollen Stunden bei der Arbeit kennen, könnte man meinen, dass das Original von Klynt stammen würde.

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Baldig kam es auch bereits wieder zum Ende des Konzertes. Nach gut 45 wahnsinnig schnell vergangenen Minuten läuteten Klynt mit Operation:Enmarteration das Ende ihres Auftritts ein. Dieser Song trägt die Botschaft der Einheit. Einer Einheit die sich an einem Dienstagabend nach einem langen Wochenende für ein Metalkonzert einfindet um diesen Tag gemeinsam zu zelebrieren. Er übermittelt die Nachricht des Zusammenhalts und der Einigkeit.

Genau das ist es, was Metal ausmacht. Nicht nur regional sondern auch international.

 

 Bridear

Dies bewiesen anschließend Bridear, welche aus Japan angereist waren und sich momentan auf einer Tour durch Europa befinden.

Ganz im Gegensatz zu Klynt formte sich Bridear aus 5 Frauen zusammen, die sich  in zweimal Gitarre, Bass, Drums und Gesang aufteilten. Auch bei Bridear erklang ein episches Intro, bevor es mit der Show losging. Dabei betraten die 5 Mädels die Bühne und legte unmittelbar danach mit ihren ersten, stark gitarrenlastigen Songs los. Ein spielerisches Talent fiel dabei ebenso so schnell auf, wie das Lächeln der Bandmitglieder, welche die Konzertbesucher ebenfalls immer wieder zum Lachen anregte. Beides war permanent vorhanden. Beeindruckend ist bei dem spielerischen Talent, dass Gitarristen Misa die erste weibliche Finalisten des japanischen „GIT Masters“ – einem Gitarrenwettbewerb – ist und mit ihren Künsten auch live in Graz überzeugte.

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Während sie ihren Sound selbst als Power Metal/Heavy Metal bezeichnen, sticht ihr Gesang sehr stark hervor, da er meist rein gesungen und nur gezielt mit Growls verstärkt würde. Allgemein wirkte die Band gesanglich an diesem Abend etwas schwächer als im Vergleich zu ihren Aufnahmen, was aber der Stimmung im Publikum nichts weiter abtat. So entstanden auch immer wieder Moshpits, in welchen sich ebenfalls Mitglieder von Klynt und ich mich wiederfanden.

Was bei einer solchen Stimmung im Publikum leider recht häufig passiert ist, dass man nicht merkt, wie die Zeit vergeht. Während man noch bei harten Nummern noch headbangte, träumte man bei den ruhigeren Nummern, welche einer Animeserie entspringen könnten. Beides motivierte das Publikum immer zu „Hey“ und „Oh“ Chören – mehr konnte man bei den japanischen Texten ohnehin nicht mitsingen, brauchte man aber nicht.

Es ist immer wieder unglaublich, welche Strapazen diese relativ jungen Frauen, welche sich alle um die 25 bewegen, auf sich nehmen. So spielen sie in kürzester Zeit beinahe täglich ein Konzert auf ihrer Tournee durch Europa. So haben sie es immerhin knapp 4 Jahre nach ihrer Gründung im November 2011 nach Europa geschafft und können hier immer wieder volle Konzerthallen aufweisen.

Nach dem Ende des Konzertes konnten sich die, zum Großteil, Fanboys am Merchstand noch ein Foto mit den Musikerinnen und sich ihre CD abholen.

 

Ein gelungener Konzertabend an einem Dienstag, wo sich manche Freitage noch eine Scheibe abschneiden können.

Ich kann es jedenfalls kaum erwarten bis Bridear wieder nach Europa kommen, aber noch weniger, bis Klynt wieder die Bühne besteigt.

 

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