Der Turbo Reverend

Uts! Uts! Uts! Uts!

Störgeräusche oder ähnliches klingen durch meinen Kopf, wenn ich den „Bunker“ genannten Club in Graz mit Musik assoziieren soll. Dennoch veränderten sich die Klänge an diesem Samstagabend komplett. Von knallharten Techno wechselte der Sound zu versifft verzerrten Gitarren Rock’n’Roll, denn an diesem Abend fand zum ersten Mal die neue Veranstaltungsreihe Bunkerbar statt.

Veranstaltet von Horz Book Ink., öffnete die Location am frühen Abend ihre Pforten. Glück hatten definitiv diejenigen Gäste, welche erst eine Stunde später auf der Bildfläche auftauchten. So war der Einlass zwar mit 20 Uhr angegeben, jedoch kamen die ersten Besucher erst nach 21 Uhr. Der Weg führte nicht wie im Bunker üblich direkt zu dem Bereich des sonstigen Dancefloors, sondern lässt die Gäste zuerst durch die Bar wandern, bevor sie zur Bühne kamen. An jener Bar konnte man sich gelassen mit den Mitgliedern von Reverend Backflash unterhalten, welche sich publikumsnah zeigten und sich unter die Leute mischten.

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Wer sich bereits vorab mit der Band unterhielt konnte schnell in Erfahrungen bringen, dass sie gerade noch rechtzeitig in Graz angekommen waren, da sie sich am Vortag auf einer Feier der Turbojugend in Mailand aufhielten und dort ebenfalls ein Konzert zum Besten gaben. Diejenigen, die die Turbojugend kennen, können sich nun auch gut vorstellen, wie fit die Band nach einer solchen Nacht noch war.  Wer sie noch nicht kennt, sollte sich jetzt erstmal eine Überdosis Turbonegro injizieren. Personen, die sich anschließend der Turbojugend anschließen werden schnell bemerken, was eine Feier wirklich bedeutet. Heimgegangen wird nicht vor der Mittagssonne und so, oder so ähnlich, erging es wohl auch Reverend Backflash. Sie erzählten, dass sie nach der Feier knapp 10 Stunden gefahren sind, um das Publikum in Graz zu beglücken.

Bis es schließlich auf der Bühne losging, dauerte es noch bis kurz nach 22 Uhr. Support gab es an diesem Abend keinen, welches auch durch die Band auf der Bühne bekanntgegeben wurde. Das störte die Zuschauer allerdings nicht. Brauchte das Publikum am Anfang noch ein wenig Zeit um sich zum Tanzen zu bewegen, feuerte die Band von Anfang an mit einer grandiosen Energie los und sie schossen eine Rock’n’Roll-Nummer nach der anderen aus ihren Verstärkern.

IMG_5476Was für manche Konzertbesucher anfangs etwas eigenartig wirkte, war die zuerst magere Bühnenbeleuchtung. Es erweckte den Eindruck, als ob die Band im Dunkeln spielen würde. Jedoch wurde jedem nach kurzer Zeit bewusst, was für eine Lichtanlage der Bunker, der normalerweise Techno spielt und vermehrt Events dieser Sorte veranstaltet, installiert hatte: Eine Lasershow wie man sie von verschiedensten Electronic Events kennt.

Spätestens nach dem dritten Song konnten Reverend Backflash seine Fans zum Mittanzen motivieren. Was jedoch vermehrt durch ihre Musik, als ihren Ansagen zwischen den Songs zu verdanken war. Bei jedem Satz bemerkte man, dass sie am Vortag auf einer Turbojugendfeier gespielt hatten. So waren ihre Sätze langsam und äußerst unlustig – selbst die Witze, welche wirklich weit entfernt von Gut und Böse waren. Dennoch glänzend sie an ihrer musikalischen und gesanglichen Leistung und man erkennt, dass sie doch schon jahrelange Erfahrung mit sich bringen, da so gut wie jeder Ton sitzt.

Kombiniert mit der Lasershow, konnte die Zuseher sich auf eine Art Rave der Rockmusik einstellen und feierten knapp 90 Minuten mit der Band mit. Für einen Eintritt um die 4 Euro war dieses Spektakel sehr akzeptabel. Einzig Schade war nur, dass sich nur eine geringe Zuschaueranzahl im Bunker eingefunden hatte. Diejenigen jedoch, welche sich versammelt haben um sich Reverend Backflash anzusehen, kamen zu 100% und mehr auf ihre Kosten, da sich die Band nach dem Konzert ebenfalls wieder zu den Zusehern begab. Auf ein immer wieder peinlich wirkendes „von der Bühne gehen“ wurde verzichtet und man kündigte an, gleich die Zugabe zu spielen. Normalerweise würden sie jetzt das Schnapsspiel, bei welchem sie eine Zugabe gegen Getränke tauschen, spielen, da sie aber auf die Zugabe verzichteten und gleich weiterspielen wollten, setzten sie dieses aus. Womit sie scheinbar nicht rechneten war, dass sich bereits jemand zur Bar begeben hatte, um sich für die Band Getränke zu besorgen und diese selbiger unverzüglich brachte.

So rockten die 4er Besetzung von Reverend Backflash noch 3 weitere Nummern auf ihren Instrumenten, wobei sie unter anderem einen Song von Turbonegro performten. Danach wurde, wie bereits am Tag davor, bis in die Morgenstunden gefeiert.

Hin und wieder traf man nach Mitternacht auf verirrte und verwirrte Gesichter, welche scheinbar das Stammpublikum des Bunkers und sehr erstaunt darüber waren, dass an diesem Abend kein Electronic, Techno oder sonstiges gespielt wurde. Einzig das Vinylkollektiv 10 legte bei der Aftershowparty einen guten Mix aus verschiedensten auf Vinyl gepressten Rocknummern auf.

 

Reverend Backflash
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