Brich mir noch den Lendwirbel, doch lasse mich….

…dir vorher zeigen, was Graz alles kann.

Nachdem man den Schock darüber, dass das jährlich stattfindente Augartenfest aufgrund von rechtlichen Vorschriften und Aufwänden, die einfach nicht mehr leist- bzw tragbar für die Veranstalter waren, verdaut hatte, wurde es bereits Zeit, sich einer weiteren Veranstaltung, die zu diesem Zeitpunkt bereits gestartet hatte, zu widmen, dem Lendwirbel.

Seit kanpp 8 Jahren gibt es die Veranstaltung, welche von Jahr zu Jahr immer größer wurde. Das Wachstum ist nicht nur anhand der Lokale, Vereine und Organisationen, welche sich angagieren und ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, sondern auch anhand der Besuchermassen zu erkennen, die sich bei jedem Platz, vor und in jedem Lokal tummeln, versammeln und wiederfinden.

Meine Reise durch den Lendwirbel zog mich durch die Musik, welche an jeder Ecke zu finden war.

So startete bereits am Samstag dem 30. April der Schlagergarten Gloria im Volksgarten. Danach ging es musikalisch erst richtig weiter am Mittwoch, wobei sich auch Montag und Dienstag kleinere Bands zusammengefunden hatten, um auf den verschiedensten Plätzen zu performen.

Am oberen Ende der Griesgasse mit dem Parks und der Wak Bühne, ging es  Mittwochnachmittag mit mehreren bekannte Bands und Interpreten wie Michael o’Shimpel, i love milk. oder auch Eve & the Serpents weiter. Später wurde es dann auch noch, unter anderem, im PPC mit Bands wie Ultima Radio laut, andenrots funkig mit Assaia und pulsierend mit Karma Klub. Und alles bei freiem Eintritt.

Bereits an diesem Mittwoch herrschte eine große Auswahl und ein noch größerer Andrang. Doch dieser sollte sich von Tag zu Tag steigern.

Am Donnerstag merkte man, dass sich tagsüber noch etwas mehr abspielte als später am Abend. Hatten die meisten Leute zwar durch den Feiertag frei, so mussten sie dennoch am nächsten Tag zur Arbeit schreiten.

Mich zog es an diesem Tag ins Wakuum, in welchem neben the Velvet Feeling und Sama Dams noch die unglaublichen Deasel Weasel auftraten, welche immer wieder ein Erlebnis und wahre Stimmungsmaschienen sind. Fast passend, um mit ihren Bassisten Alex Vader den Geburtstag zu feiern, spielten sie Abends im Club Wakuum. Obwohl recht viele Leute erschienen sind um Deasel Weasel zu sehen, bemerkte man allerdings, dass sich der Club Wakuum schon recht weit außerhalb befindet und somit das Schlusslicht des Lendwirbels in Richtung Griesplatz bildete.

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Deasel Weasel

Der Auftritt von Deasel Weasel konnte das aber nichts abtun, war der Konzertraum doch gefüllt mit Menschen die ihren springenden, popigen Rockklänge hingegeben und das Tanzbein geschwungen haben. Der charismatische Sänger konnte auch noch den letzten im Publikum davon überzeugen, sich den anderen anzuschließen und sich ebenfalls zu bewegen. Wo Deasel Weasel draufsteht, ist auf alle Fälle Deasel Weasel drinnen – oder so ungefähr. Wer die Band bereits kennt weiß, was auf einer ihrer Liveshows geboten wird. Der Auftritt der Band wart wie immer ein voller Erfolg und ich holte mich gleich die Vinylpressung ihres neuen Albums …second thoughts.

Was die wenigsten mitbekommen hatte: Auf dem Weg zur eigentliche Venue, legten Deasel Weasel einen kleinen Stopp hinter dem Kunsthaus ein und performten da auf die Schnelle eine stark gekürztest Set. Quasi eine Art von Aufwärmen oder auch Vorschau vor dem eigentlich Auftritt. Immerhin schafften sie es so, an einem Tag gleich zweimal am Lendwirbel aufzutreten, was bestimmt nur wenige Bands von sich behaupten können.

Die Feier hielt noch bis in die frühen Morgenstunden an. Wer nicht arbeiten musste, legte sich ans Murufer, welches direkt am Lendwirbel liegt, oder begab sich zum Frühstücken in eines der nächstgelegenen Cafés, um für den Tag wieder fit zu werden.

 

Kaum erholt, oder zumindest ansatzweise wieder bereit sich auf zwei Beinen zu halten, konnte man sich ins Meer aus Menschen werfen und sich dem Trubel erneut hingeben. Mittlerweile ist Tag 6 des Lendwirbels angebrochen und wieder hatte man die Auswahl, welche Band man sich ansehen sollte. Obwohl es tagsüber noch ein großteils spielfreier Tag war, konnte man sich an verschiedenen Plätzen an einer Open Stage versuchen.

HMBC sangen in ihrem Lied darüber, dass es schon schwer fällt „vo Mello bis ge Schoppernou“ zu laufen, können Besucher des Lendwirbels, welche teilweise seit 6 Tagen unterwegs sind, ein Lied davon singen, wie schwer der Weg vom Südtirolerplatz bis zum Lendplatz sein kann.

Nicht die Distanz ist das Problem, sondern die unglaublichen Aktionen, welche überall stattgefunden hatten. Und dann gab es da noch diejenigen, welche sich selbstständig durch den Lendwirbel bewegten.

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FBY

So gab es aber nicht nur Musik, welche einen faszienieren konnte. Auch gab es, zum Beispiel, am Mariahilferplatz eine Möglichkeit ein Handyfoto in einer Dunkelkammer auszuarbeiten um es anschließend als ein schwarz/weiß Foto in ein riesiges Fotoalbum zu kleben. Direkt dahinter ragte auch schon der gigantische Vogelkäfig, in welchem die Künstlerinnen und Künstler des Roten Keil arbeiteten. Daneben drang der Bass des DJs aus den Lautsprechern, welcher diesne Platz mit fetten Beats beschallte. Sollte das zuviel sein, konnte man auch in die östliche Kirche ausweichen und sich ein wenig Ruhe gönnen oder auch dem Trommelkreis etwas weiter unten bewohnen.

Wollte man sich etwas visuel betätigen, so konnte man auch den Capoeira-Artists in Richtung des Lendplatzes zusehen, nach welchen es mich persönlich zog.

Dort konnte man sich prima mit Freunden und Bekannten versammeln, an einem der unzähligen Cafés sitzen, erfrischende und spritzige Getränke konsumieren und bis zum Untergang der Sonne noch ihre letzten wärmenden Strahlen genießen.

Nach Einbruch der Nacht zog es ziemlich viele Leute in Richtung des PPC. Aber nicht prmär wegen selbigen sondern vermehrt wegen des Künstlerateliers, welches sich nach dem PPC und dem Immervoll befindet. Dort gaben die Bands Baguette und LÖVE IČONS. Diese tschepperten mit ordentlichen rocking Punkriffs durch die Gegend, dass kein Stein mehr auf dem anderen blieb. Bereits nach kurzer Zeit war der Mangel an Platz stark spürbar und die Leute feierten nur noch den Moment.

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Vor dem Voyeur. (Quelle: Facebook)

Wer sich nicht bereits bei Baguette im Atelier befand, der hatte spätestens bei LÖVE IČONS keine Möglichkeit mehr, sich noch irgendwie in das Voyeur zu zwängen. Dies wurde bereits an den Postern, welche im Atelier per Handprint erstellt wurden, angekündigt. Darauf fanden sich die wichtigsten Informationen über den Auftritt. Neben den zwei Bandnamen waren noch die Uhrzeit und die Infos „Sharp Limit Space“ und „Hot Sex Magic“ vermerkt. Wer es vor Ort, egal ob auf der Innen- oder Außenseite, erlebt hat, kann nur zustimmen, dass sich diese Ankündigungen zu 100% erfüllt haben.

 

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Poster (Quelle: Facebook)

Bis spät in die Nacht rockten die Leute von Baguette und LÖVE IČONS das Voyeur, und danach legte gleich DJ Pandas mit unglaubliche Beats los. Wer sich zu dieser Zeit abseits des Lendwirbels aufhielt, dem entging eine Wahnsinnsparty.

 

Persönlich finde ich es schwer, einen wirklich guten DJ oder eine wirklich gute DJane zu finden, welche auch aus den Beats und der Technik, die sie zur Verfügung haben, etwas vernünftigeres machen als nur im 4/4 Takt den Bass zu pressen. DJ Pandas jedenfalls war ein wahrgewordener Traum. Man wollte nicht mehr weg. Es wirkte auf mich wie ein Vodoozauber. So konnte man sich zumindest die Musik vorstellen. Meine Gedanken waren durchströmt von den Worten „Vodoo“, „Schrumpfkopf“, „Magie“ und „Sex“. Das war es, was DJ Pandas in den Kopf zauberte und womit er nach dem Konzert die Leute noch weiter in seinem Bann zog und zum bleiben und grooven motivierte.

 

Der Sonnenaufgang bahnte sich an, und die ersten Linien nahmen bereits wieder ihren Betrieb auf…

Es wurde Zeit, sich ein wenig zu entspannen. Wer sich in der ersten Bim ein wenig umsah, konnte vermehrt feststellen, dass sie für manche eine Art Schlafzimmer wurde.

Das wunderbare an Graz ist doch, selbst wenn eine Party vorübergeht, ein Lokal zur Sperrstunde ruft, geht es woanders weiter. Es war kein Problem, mit der Bim von Endstation zu Endstation zu fahren, man brauchte doch nur ein 24 Stunden Ticket für knappe 5,- Euro kaufen oder, wer sich die ganzen 7 Tage in Graz aufhielt, für knappe 13,- Euro ein Ticket für die ganze Woche. Kommt alles günstiger als ein Hotelzimmer.

Alternativ kann man sparen, wenn man die Altstadtbim benützt, welche sich vom Südtirolerplatz – dem Ausgangspunkt des Lendwirbels – in Richtung der Innenstadt erstreckt.

Wie auch immer man sich entschied, ob Hotel oder Bim, es war mittlerweile Tag 7 angebrochen und dieser wurde auch am Besucheransturm gemessen, einer der größten Tage.

Hier holten nochmal alle Lokale und Veranstalter zu einem Rundumschlag aus und boten soviel Programm, dass man vor lauter Staunen und Begeisterung nicht mehr wusste, wo man nun stehenbleiben sollte. Ob nun bei der Wak Bühne in der Griesgasse, bei Plenty for Twenty am Lendplatz oder bei Vento Sul und Masala Brass Kollektiv am Hier-ist-Platz.

Auch im Blenden traten einzigartige Artists wie Kuskus und Codes & Keys auf. Letztere überzeugen mit einem Gespann aus 3 erfahrenen Musikern die sich zwei Keyboards/Synthies und einem Schalgzeug bedienen. Mit dabei sind unter anderem Dominik Krejan (Sado Maso Guitar Club),  Florian Pirolt (The Avayou) und Punk Schlagzeuger Constantin Pammer (Red Lights Flash). Die ausgefeilte Mischung der Musiker spiegelt sich auch in ihren Songs wieder, da sie einerseits ein Boot auf einem ruhigen Wellengang darstellen, andererseits aber auch der aufbrausende Wind sind, der dieses Boot zum kentern bringen könnte. Sie sind wohl eine der aggresivsten Mischstimmungsbands, welche durch ein wahnsinniges Arrangement die Leute mit auf ihre Bootsfahrt nehmen.

Wer sich hingegen an das andere Ende des Lendwirbels begab, der konnte sich auf eine geballte Ladung Rock einstellen. Wo es tagsüber noch etwas ruhiger zuging, rollten später bereits die Punkrockerinnen von Stroppy Kitten an, welche die Stille aus der Gasse verscheuchten. Regelkonform erschien bei dem Auftritt dieser Punk Band, welche scheinbar ein Problem mit der Lautstärke hatte. Das störte aber weder dem Publikum noch der Band und diese spielten, mit ihrem einzigartigen Ersatzschlagzeuger, das Konzert zu Ende.

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Stroppy Kitten

Am späteren Abend folgten dann die Acoustic Pop Band A Walk in a Park, bei welcher sich bereits zahlreiche Menschen versammelt hatten. Der letzte größere Auftritt der Band in Graz lag nun doch schon ein paar Monate zurück und so war es kein wunder, dass sich schon ein reger Andrang an Leuten geboten hatte, welche diese Band wieder live sehen wollten. So überzeugen doch ihre Musiker wie unter anderem ihre Sängerin Suneek mit einer herrausragenden Leistung. A Walk in a Park dienten als passender Übergang, bevor zum Abschluss noch Lory Lee & the Flashback Boys die Bühne rockten und das Publikum mit auf eine Zeitreise nahm.

Lory Lee & the Flashback Boys überzeugten mit neuinterpretierten Songs, welche überwiegend den 80ern entsprangen. Mit Reno Punch (Drums), Terence ‚Lowbau‘ Slater (Bass), Steve ‚Stardust‘ Evans (Gitarre) und Lory Lee (Gesang), bildet diese 4-köpfige Partie eine Formation, welche durch ihre Talente hervorsticht. Jede Person für sich behjerscht ihr Instrument  unglaublich gut und Lory Lee sticht nicht nur durch einen starken Gesang und einer faszienierenden Stimme heraus, sonder liefert als Frontfrau dazu noch die passende Bühnenperformance ab. Sie springt, tanzt und interagiert mit dem Publikum, welches sich von Anfang an zu ihren Liedern bewegen, tanzen und lautstark mitgröllen.

Wer nicht schon bei Maniac den Chorus in Angriff genommen hatte, dem entwich spätesten bei der nächsten Nummer ein lautes „Sledgehammer„. So legten Lory Lee & the Flashback Boys eine Mitgröllhymne nach der anderen hin und brachten die ganze Gasse bei der Wak Bühne zu beben.

Wer eine Sonnenbrille dabei hatte, wurde aufgefordert, diese bei Sunglasses at Night aufzusetzen was zur Folge hatte, dass mehr als die Hälfte des Publikums plötzlich aussah, als wären sie Mitglied der Blues Brothers. Dennoch störte  die verdunkelte Sicht durch die Sonnenbrille niemanden, da man schließlich den Text aus Leib und Seele mitsingen konnten.

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Lory Lee & the Flashback Boys

Als Belohnung dafür, dass das Publikum so gut drauf war, gab es vor dem „letzten“ Song, noch eine spontane Nummer eingeschoben, welche nicht für den Auftritt geplant war und als Zugabe nach dem „letzten“ Song, setzte es nocheinmal eines obendrauf, als sie ihren Coversong von David Hasselhoffs True Survivor spielten. „Go we need some Action!“ lautet das Motto der Band und wurde mit True Survivor auch immer wieder wiederholte. Dass sich das Motto bewahrheitet hatte, konnte man an der einzigartigen Stimmung nach dem Konzert erleben. Sowohl die Band als auch das Publikum waren nach wie vor noch in Feierlaune.

Nun konnte man sich wieder entscheiden, wo man seinen letzten Abend verbringen wird. Im Parks, welches sich direkt neben der Wak Bühne befunden hatte, fingen unmittelbar nach Lory Lee & the Flashback Boys Konzertende the S&B Bluesband an. Aufgrund des gerade vergangenen Konzertes, sammelte es sich im Parks sehr schnell an und das Haus war in kürzester Zeit voll.

Alternativ konnte man sich auch die Griesgasse weiterrunter bewegen, um sich dort When in Sodom meets Desertations zu geben, bei dem sich die Veranstalter der When in Sodom (Metal) und der Desertations (Stoner Rock) Konzertreihen zusammengeschlossen hatten um eine übergreifende Veranstaltung zu organisieren. Da beide Konzertreihen sehr beliebt und erfolgreich sind, war eine volle Location vorprogrammiert. Metal trifft auf Stoner Rock. Stoner Rock meets Metal. Ein gemeinsames Event, welches unterschiedlichstes Publikum anzog und somit ein voller Erfolg wurde.

Wer noch nicht fertig von einer Woche feiern war, der feierte auch an diesem Tag noch bis in die frühen Morgenstunden.

 

Als Zusammenfassung bleibt zu sagen:
Solche Veranstaltung schließen zusammen und es ist wichtig, dass diese Art eines Kulturfestivals erhalten bleibt. Eine Woche lang Kunst und Kultur auf verschiedenste Art und Weise, unzählige Musikerinnen, Interpreten und Bands zu erleben ist in einer solchen Form einzigartig.

Wer es nicht erlebte, sollte es sich unbedingt für 2017 notieren.

 

Einzig fehlte nur noch ein Burning Man, der am letzten Tag verbrannt werden würde.

 

www.lendwirbel.at

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